Startseite

Geburtsberichte

Was (werdende) Mamas wissen sollten/wollen

Stillen

Vorteile
Gründe
Stilltipps
Bedeutung
Argumente
Natürliches Abstillalter
Abstillen
Stillen ist mehr...
Abpumpen von Muttermilch
Stillstreik
Milchstau
Achten Sie darauf

Die sanfte Geburt

Bildergalerie

Tipps von Mamas für (werdende) Mamas

Tragen

Begrifferklärungen

Stillgruppe

Onlineshop

Schlafen

Kaiserschnitt

Gesundheit

Ammenmärchen

Literatur

Links

 

 

Achten Sie darauf, was Sie sagen!

Die Laktationsberaterin sagt: "Sie haben die größte Chance Ihrem Baby durch die besondere Verbindung beim Stillen zu dem bestmög-lichen Start ins Leben zu verhelfen. Die wunderbaren Vorteile für Sie und Ihr Baby werden Ihr Leben lang bestehen." Und dann füttert die Mutter Flasche. Warum?

Zum Teil, weil dieser Werbeslogan genauso gut aus einer kommer-ziellen Werbung für Flaschennahrung hätte stammen können. Wenn unsere Formulierungen und die der Babynahrungsindustrie austausch-bar sind, macht einer von uns etwas falsch ... und wahrscheinlich sind es nicht die multinationalen Industriekonzerne. Hier sind einige Bei- spiele für die Sprache, die meiner Meinung nach, jedes Mal, wenn wir sie benutzen, unsere guten Absichten ins Gegenteil verkehrt.

Bestmöglich, ideal, optimal, perfekt. Sind Sie die bestmöglichen El-tern? Ist Ihr Familienleben ideal? Bereiten Sie optimale Mahlzeiten zu? Natürlich nicht. Das sind erstrebenswerte Ziele, keine Minimalstan-dards. Formulieren wir es anders. Sind Sie adäquate Eltern? Ist Ihr Familienleben subnormal? Bereiten Sie mangelhafte Mahlzeiten? So ist es nun auch nicht. Vielleicht erwarten Sie nicht, weit über der Norm zu sein, aber mit Sicherheit möchten Sie nicht unterhalb der Norm sein.

Wenn wir (genau wie die Säuglingsnahrungsindustrie) verkünden, dass Stillen der bestmögliche Weg ist, um Babys zu ernähren. Weil sie dabei die ideale Nahrung bekommen, perfekt ausgewogen für die optimale Ernährung des Säuglings, ist die logische Antwort: "Na und?". Unsere eigene Erfahrung sagt uns, dass das Optimale nicht notwendig ist. Nor-mal ist ausreichend und in diesen Worten ist die absolute Normalität verborgen - und damit Sicherheit und Angemessenheit - von künst-licher Säuglingsnahrung. Die Wahrheit ist, dass Stillen nichts weiter als normal ist. Künstliche Säuglingsnahrung ist weder das Gleiche noch höherwertiger, sondern sie ist mangelhaft, unvollständig und minder-wertig. Das sind problematische Wörter, aber sie gehören zu unserem Sprachschatz.

Vorteile Wenn wir über die Vorteile des Stillens sprechen - wie z.B. die "geringeren Raten" bei Krebserkrankungen, das "reduzierte Risiko" für Allergien, das "unterstützte" Bonding, das "stärkere" Immunsystem - bestätigen wir wieder einmal, dass Flasche zu geben, die akzeptierte und akzeptable Norm ist.

Vergleiche des Gesundheitszustandes verwenden eine biologische, nicht eine kulturelle Norm, gleichgültig, ob diese Abweichung von der Norm gefährlich oder hilfreich ist. Raucher haben höhere Erkrankungs-raten; zusätzliche Einnahme von Folsäure in der Schwangerschaft kann fetale Missbildungen reduzieren. Weil Stillen die biologische Norm ist, sind nicht die gestillten Babys "gesünder", sondern künstlich ernährte Babys erkranken häufiger und schwerer. Gestillte Babys "riechen nicht besser"; sondern künstliche Säuglingsnahrung führt zu einem abnor-malen und unangenehmen Geruch, der Probleme im Verdauungssys-tem des Säuglings anzeigt. Wir können nicht erwarten, eine Kultur des Stillens zu schaffen, wenn wir in unserer Sprache und unserer Literatur nicht darauf bestehen, dass Stillen das Modell für Gesundheit ist.

Wir dürfen verkehrte Formulierungen durch die Medien oder unsere Kolleginnen nicht durchgehen lassen. Wenn wir es versäumen, die Ge-fahren der künstlichen Säuglingsnahrung zu beschreiben, rauben wir den Müttern grundlegende Informationen für ihre Entscheidung. Eine Mutter mit Stillschwierigkeiten sucht sich vielleicht keine Hilfe nur um einen "besonderen Bonus" zu erreichen, aber sie wird Hilfe fordern, wenn sie weiß, wie viel sie und ihr Baby verlieren können. Sie wird weniger geneigt sein, künstliche Säuglingsnahrung zu geben, nur "da-mit es sich an die Flasche gewöhnt", wenn sie weiß, dass der Inhalt dieser Flasche Schaden anrichtet.

Nirgends wird die schöne Illusion der Normalität des Flaschenfütterns sorgfältiger gepflegt als in der Diskussion über die kognitive Entwick-lung. Wenn ich Gruppen von Gesundheitspersonal frage, ob ihnen die Studie über elterliches Rauchen und IQ [1] bekannt ist, bekomme ich immer zur Antwort, dass die Kinder von rauchenden Müttern "niedri-gere IQ-Werte" haben. Wenn ich nach der Studie frage, in der Frühge-borenen entweder humane Milch oder künstliche Säuglingsnahrung gefüttert wurde [2] weiß immer irgendjemand, dass die mit Frauen-milch ernährten Babys "klüger" waren. Ich habe nie gesehen, dass eine dieser Studien auf eine andere Art in den Medien präsentiert wurde - oder sogar von den Autoren selbst. Sogar Gesundheitsper-sonal ist schockiert, wenn ich die Ergebnisse umformuliere und dabei Stillen als Norm setze: die mit künstlicher Säuglingsnahrung ernährten Kinder, hatten niedrigere IQ-Werte, so wie Kinder von Raucherinnen.

Die Verdrehung der Realität wird sogar noch irreführender, wenn wir Prozentangaben verwenden, weil die Zahlen sich verändern, abhängig davon, was wir als unsere Basis wählen. Wenn B ¾ von A ist, dann ist A 4/3 von B. Nehmen wir A als Basis, dann ist B 25% weniger. Nehmen wir B als Basis, dann ist A 33,3% mehr. Daraus ergibt sich, wenn ein Gegenstand, der eigentlich 100 Einheiten kostet, als Sonderangebot um "25% reduziert" angeboten wird, ist der Preis 75. Wenn der Son-derverkauf vorüber ist und der Gegenstand wieder zum alten Preis ausgezeichnet wird, muss er um 33,3% erhöht werden, um wieder bei 100 zu liegen. Exakt diese Zahlen wurden in einer neueren Studie [3] genannt, die einen "Rückgang um 25%" bei Brustkrebserkrankungen für Frauen feststellte, die als Säugling selber gestillt worden waren. Anders ausgedrückt, mit der Gesundheit Gestillter als Bezug, fanden die - Wissenschaftler einen Anstieg der Brustkrebserkrankungen um 33,3% bei Frauen, die künstlich ernährt worden waren. Stellen Sie sich vor, welch einen unterschiedlichen Einfluss diese beiden Aussagen auf die Bevölkerung hätten.

Besonders. "Stillen ist eine besondere Beziehung." "Richten Sie sich eine besondere Stillecke ein." In unserer Familie brauchen besondere Mahlzeiten extra Zeit. Besondere Anlässe bedeuten extra Arbeit. Be-sonderes ist schön, aber es ist kompliziert, es ist kein alltäglicher Teil des Lebens und es ist nichts, was wir sehr oft machen möchten. In den meisten Familien soll das Stillen sich leicht in ein betriebsames Leben einfügen - und, natürlich, macht es das auch. "Besonders" ist eine Em-pfehlung zum Abstillen, keine Empfehlung für das Stillen.

Stillen ist das Beste; künstliche Nahrung ist das Zweitbeste. Die Welt- gesundheitsorganisation (WHO) ist anderer Meinung, hier ist ihre Rang-folge:

  • 1. Stillen;
  • 2. Abgepumpte und dem Kind auf andere Art gefütterte Milch der eigenen Mutter;
  • 3. gespendete Milch einer anderen Mutter; und
  • 4. künstliche Säuglingsnahrung [4]

Wir müssen uns dies selbst klar machen und es Anderen gegenüber klarstellen. "Die zweite Wahl zur Mutterbrust" kommt ebenfalls aus der Brust, nicht aus der Dose. Die kostenlosen Proben, die so verführe-risch auf dem Regal im Sprechzimmer des Arztes platziert sind, sind nur die viertbeste Lösung bei Stillproblemen.

In einigen Situationen gibt es Bedarf für künstliche Säuglingsnahrung. Allerdings ist das nur so, weil wir keine Frauenmilchbanken haben. Ein Mensch, der zusätzliches Blut benötigt, entscheidet sich nicht für den viertbesten Ersatz; schließlich gibt es Blutbanken, die menschliches Spenderblut für Menschen bereitstellen. Er muss sich nicht durch eine spezielle Erkrankung dafür qualifizieren. Das Einzige, was er haben muss, ist ein persönlicher Mangel an Blut. Aber bei Säuglingen sind nur diejenigen, die das Viertbeste nicht vertragen, dazu privilegiert das Drittbeste zu bekommen. Ich frage mich, was passieren würde, wenn ein relativ kostengünstiges kommerzielles künstliches Blut entwickelt würde, das ein deutlich höheres Risiko als Spenderblut mit sich bringen würde. Wer würde als unwichtig genug gelten, um es zu erhalten? Wenn wir bei einer Klientin künstliche Säuglingsnahrung einsetzen, sollten wir sie und ihre medizinischen Berater daran erinnern, dass gespendete Muttermilch aus einer Muttermilch zur Verfügung stehen sollte. Es wird wahrscheinlicher, dass Muttermilchbanken ein Teil unserer Kultur werden, wenn sie erst einmal überhaupt zu einem Gesprächsthema für uns werden.

Wir möchten bei den Flasche gebenden Müttern keine Schuldgefühle hervorrufen. Schuld ist ein Gefühl, das viele Frauen automatisch ent-wickeln, selbst wenn sie wissen, dass die Umstände wirklich außerhalb ihrer Kontrolle sind. (Meine Mutter war dafür bekannt, sich für das Wet-ter zu entschuldigen.)

Die (fast schon) automatische Annahme von Schuld bei Frauen zeigt sich in ihrer Reaktion auf dieses Szenario: Stellen Sie sich vor, Sie haben an einer Fortbildung in Aerodynamik teilgenommen. Sie haben auch schon einmal gesehen, wie Piloten Flugzeuge fliegen. Nun stellen Sie sich vor, Sie wären der Passagier in einem zweisitzigen Flugzeug. Der Pilot hat einen Herzanfall und Sie müssten nun das Flugzeug selbst fliegen. Dabei machen Sie eine Bruchlandung. Würden Sie sich schul-dig fühlen?

Wenn ich Männern diese Frage stellte, antworteten sie: "Nein. Wenn man etwas über Aerodynamik weiß, heißt das noch lange nicht, dass man ein Flugzeug fliegen kann." "Nein, weil ich mein Möglichstes getan hätte." "Nein. Es würde mir leid tun, wegen des Flugzeugs und dem Piloten, aber ich würde mich nicht schuldig fühlen." "Nein. Flugzeuge sind schwierig zu fliegen, selbst wenn Du schon jemandem beim Flie-gen zugesehen hast." Und was haben die Frauen geantwortet? "Ich würde mich nicht schuldig fühlen, wegen des Flugzeugs, aber vielleicht wegen dem Piloten, weil es eine gewisse Chance gab, dass ich es hätte schaffen können, das Flugzeug zu landen." "Ja, weil ich bei meinen Fehlern sehr hart mit mir ins Gericht gehe. Mich schlecht zu fühlen und mich schuldig zu fühlen liegen bei mir sehr nah beieinander." "Ja, also natürlich. Ich weiß, ich sollte es nicht, aber wahrscheinlich würde ich es tun." "Habe ich jeman-den dabei getötet? Wenn ich niemanden getötet habe, fühle ich mich nicht schuldig."
Beachten Sie die Formulierungen "meine Fehler" "ich weiß, ich sollte es nicht," und "Habe ich jemanden dabei getötet?" bei einem Ereignis, über das diese Frauen keine Kontrolle gehabt hätten!

Eine Mutter, die sich entscheidet nicht zu stillen oder die nicht so lange stillt, wie sie geplant hatte, macht mit den ihr zur Verfügung stehenden Mitteln das Beste, was ihr möglich ist. Vielleicht hatte sie die standard-mäßige "Muttermilch-ist-das-Beste"-Anleitung (die Fortbildung in Aero-dynamik) und vielleicht hat sie im Einkaufszentrum ein paar Mütter ihre Babys stillen sehen (so wie auf dem Übertragungsbildschirm im Flug-zeug dem Piloten beim Fliegen zu zuschauen). Das ist mit Sicherheit nicht genug Information oder Training. Aber sie kann sich trotzdem schuldig fühlen, schließlich ist sie eine Frau.

Viele von uns haben gut informierte Mütter erlebt, die sich erfolglos ab-gemüht haben zu stillen und sich dann mit einem Gefühl der Akzeptanz für die Flaschenfütterung entschieden, weil sie wissen, dass sie alles versucht haben. Und wir haben weniger gut informierte Mütter erlebt, die sich später über ein System aufregen, das ihnen nicht die Unter-stützung gegeben hat, die sie gebraucht hätten, wie sie später heraus-gefunden haben. Wenn wir einer Mutter mit Schuldgefühlen helfen, ihre Gefühle zu analysieren, werden wir vielleicht ein ganz anderes Gefühl aufdecken. Vor langer Zeit hat irgendjemand diesen Müttern den Aus- druck "Schuldgefühl" zu geschoben. Es ist das falsche Wort.

Ein weiteres Beispiel: Sie wurden in einem schweren Unfall schwer verletzt. Die Ärzte und Krankengymnasten erklären Ihnen, dass ein monatelanges, extrem schmerzhaftes und schwieriges Training nötig seien, um wieder laufen zu lernen, wobei es keine Garantie für einen Erfolg gibt. Sie helfen Ihnen, sich an den Rollstuhl zu gewöhnen und unterstützen Sie bei den Schwierigkeiten, die dabei weiter entstehen. Zwanzig Jahre später, als Ihre Beine hoffnungslos verkümmert sind, treffen Sie eine Frau mit exakt der gleichen Verletzung. "Es war schwierig," sagt sie. "Es waren drei Monate reine Hölle. Aber seitdem kann ich wieder laufen." Würden Sie sich schuldig fühlen?

Die Frauen, denen ich dieses Szenario vorgestellt habe, sagten: Sie würden sich wütend, beraubt oder betrogen fühlen. Sie würden sich wünschen, sie könnten es mit besseren Informationen noch einmal machen. Sie würden die verlorenen Möglichkeiten bedauern. Einige Frauen sagten, sie würden sich schuldig fühlen, weil sie nicht nach weiteren Meinungen gesucht haben, weil sie nicht in der Abwesenheit von Informationen und Unterstützung standhaft geblieben sind. Aber unabhängig von geschlechtsspezifischen Schuldgefühlen, fühlen wir uns nicht schuldig, wenn uns etwas Angenehmes vorenthalten wurde. Eine Mutter, die nicht stillt, gefährdet ihre eigene Gesundheit, vergrößert die Schwierigkeiten und Kosten, um ihr Kind aufzuziehen und versäumt eine der schönsten Beziehungen ihres Lebens. Sie hat etwas Grundle-gendes für ihr eigenes Wohlbefinden verloren. Was haben wir für eine Vorstellung von der Befriedigung durch das Stillen, wenn wir den Aus-druck "Schuld" verwenden?

Formulieren wir es mit den Worten neu, die mir von den Frauen selbst genannt wurden: "Wir möchten Flasche fütternde Mütter nicht wütend machen. Wir möchten nicht, dass sie sich beraubt fühlen. Wir möchten nicht, dass sie sich betrogen fühlen." Räumt man die oberflächlichen Aussagen von "wir möchten nicht, dass sie sich schuldig fühlen" bei-seite, dann findet sich darunter ein System, das versucht seine eige-nen Spuren zu verwischen. Es versucht nicht die Mutter zu schützen. Es versucht, sich selbst zu schützen. Lasst uns mit den Müttern solidarisch sein, sie unterstützen, wenn das Stillen nicht funktioniert, und ihnen helfen, dieses unzutreffende und ineffektive Wort hinter sich zu lassen.

Pro und Kontra, Vorteile und Nachteile. Stillen ist ganz klar eine Ge-sundheitsfrage, nicht eine von zwei gleichwertigen Wahlmöglichkeiten. "Ein Nachteil des Nichtrauchens ist, dass einen Passivrauchen wahr-scheinlich eher stört. Ein Vorteil des Rauchens, dass es das Abnehmen von überflüssigen Pfunden leichter macht." Das eigentliche Thema ist die unterschiedliche Morbidität und Mortalität. Der Rest - ob wir nun über Tabak oder über künstliche Säuglingsnahrung sprechen - ist nur heiße Luft.

Eine Entbindungsklinik verwendet einen "ausgewogenen" Ansatz für ihre Säuglingsernährungsplanung [5], sie listet auf fünf Zeilen die Vor-teile des Stillens, z.B. geruchlosen Stuhlgang des Babys und eine Rückbildung der mütterlichen Gebärmutter zur normalen Größe. (Bedeutet dies, dass die Gebärmutter einer Flasche fütternden Mutter niemals wieder die normale Größe erreicht?). Auf vier Zeilen werden die Nachteile des Stillens aufgeführt, z.B. auslaufende Brüste und die Unmöglichkeit zu erkennen, wie viel das Baby an der Brust getrunken hat. Ein Vorteil der Flaschenernährung ist, dass einige Mütter es "weni-ger beschämend und peinlich" finden. Die Wochenstation berichtete eine gute Akzeptanz bei der pädiatrischen Belegschaft und keine be-sonderen Veränderungen bei den Raten des Stillens oder Flaschege-bens. Das ist keine Überraschung. Die Information unterscheidet sich nicht grundlegend von den "ausgewogenen" Listen, die Vertreter der Säuglingsnahrungsindustrie seit Jahren herunterbeten. Es ist wahr-scheinlich jetzt sogar eine bessere Werbung, weil es nun eine sehr klare Unterstützung des Krankenhauses gibt. "Vollständig informiert" fühlt sich die Mutter jetzt sicher eine lebenslange Gesundheitsent-scheidung zu treffen, basierend auf relativem Windelgeruch und der Menge an ihrer Haut, die bei der Mahlzeit zu sehen ist.

Warum veröffentlichen die kommerziellen Säuglingsnahrungshersteller Listen mit Vor- und Nachteilen, in denen sie einige Mängel ihrer Pro-dukte zugeben? Weil jeder "ausgewogene" Ansatz, der in einer deutlich voreingenommenen Kultur präsentiert wird, automatisch das Vorurteil unterstützt. Wenn A und B beinahe gleichwertig sind und mehr als 90% der Mütter früher oder später B wählen, wie Mütter in den Vereinigten Staaten es machen (laut einer unveröffentlichten Befragung von Müt-tern der Ross Laboratorien aus dem Jahr 1992 stillen weniger als 10% der amerikanischen Mütter noch nach einem Jahr), macht es Sinn der Mehrheit zu folgen. Gäbe es einen wichtigen Unterschied, würden die Gesundheitsberufe sicher einen Standpunkt deutlich machen, um sich aus dem Entscheidungsprozess herauszuhalten.

Die Eltern müssen die Entscheidung selber treffen. Das ist wahr. Aber sich freiwillig aus dem Prozess heraus zu halten, bedeutet, dass die "ausgewogene" Liste richtig war. In einer neueren Ausgabe eines El-ternmagazins kommentiert ein Kinderarzt: "Wenn ich eine Mutter zum ersten Mal im Krankenhaus besuche, frage ich: "Geben Sie die Brust oder die Flasche?" Wenn sie antwortet, sie wird die Flasche geben, nik-ke ich und stelle die nächsten Fragen. Neue Eltern zu unterstützen, heißt, sie zu unterstützen, wofür sie sich auch immer entscheiden. Man kann nicht nach der Geburt zu der Mutter gehen und ihr erzählen, dass sie einen furchtbaren Fehler macht und was sie sich und ihrem Kind damit nimmt." [6]

Aber, wenn eine Frau ihrem Arzt während einer Routineuntersuchung mitteilt, dass sie vor ein paar Tagen wieder angefangen hat zu rau-chen, würde der Arzt sicher stellen, dass sie die Gefahren des Rau-chens kennt und ihr sagen, dass jetzt die beste Zeit ist, um sich noch anders zu entscheiden. Es ist scheinheilig und unverantwortlich eine klare Position gegenüber dem Rauchen zu beziehen und beim Stillen "die Eltern entscheiden zu lassen" ohne sich zuerst über ihren Infor-mationsstand Sicherheit zu verschaffen. Lebensentscheidungen muss immer der Einzelne treffen. Das bedeutet: weder sollten seine oder ihre Informationsquellen verstummen, noch sollten den Eltern, die sich für Flaschennahrung entschieden haben, Informationen vorenthalten werden, die bei einem späteren Kind zu einer anderen Entscheidung führen könnten.

Mit der Brust ernähren. Die meisten anderen Säugetiere sehen ihre eigene Milch niemals, und ich bezweifle, dass irgendeine Säugetier-mutter bewusst ihre Jungen "säugt", indem sie die Intervalle zwischen den Mahlzeiten daran anpasst, was sie für einen Hunger bei ihrem Babys erwartet. Säugen beruhigt ihren Nachwuchs und fühlt sich zweifelsohne gut an. Wir sind die einzigen Säuger, die bewusst beim Stillen Kalorien übertragen und wir sind die einzigen Säuger die chronische Schwierigkeiten haben, diesen Transfer zu vollziehen.

Frauen sagen vielleicht später, sie "gaben" ihrem Kind drei Monate lang die Brust, aber sie sagen meistens, sie "bemutterten" es für drei Jahre. Einfaches Langzeitstillen bringt es mit sich, dass Nachdenken über "Brust" und "Füttern" (und über die Dauer, das Intervall und die Über-tragung der richtigen Nährstoffe in der richtigen Menge und den Unter-schied zwischen nutritiven und non-nutritiven Saugbedürfnissen, die alle den Fokus der künstlichen Säuglingsnahrungs-Broschüren ausma-chen) zu beenden und stattdessen auf die Beziehung zu fokussieren. Wir sollten den Müttern mitteilen, dass wir hoffen, sie werden nicht die "Brust geben" - sondern, die echte Freude und Befriedigung dieser Er-fahrung kennen lernen, wenn sie aufhören "mit der Brust zu füttern" und beginnen mit der Brust Mutter zu sein.

Wir alle, aus den stillberatenden Berufsgruppen, möchten, dass Stillen unser biologischer Bezugspunkt ist. Wir möchten, dass es die kulturelle Norm ist. Wir möchten, dass humane Milch für alle menschlichen Ba-bys, unabhängig von Umständen, verfügbar gemacht wird. Ein bedeu-tender erster Schritt in Richtung zur Umsetzung dieser Ziele ist für je-den von uns sofort erreichbar. Alles was wir tun müssen, ist darauf zu achten, was wir sagen.

Referenzen

[1] Olds, DL; Henderson, CR; Tatelbaum, R: Intellectual impairment in children of women who smoke cigarettes during pregnancy. Pediatrics 1994;93:221-27.
[2] Lucas, A; Morley, C; Cole, TJ; Lister, G; Leeson-Payne, C: Breast milk and subsequent intelligence quotient in children born preterm. Lancet 1992;339(8788):261-64.
[3] Freudenheim, JL; Graham, S; Laughlin, R; Vena, JE; Bandera, E; et al: Exposure to breastmilk in infancy and the risk of breast cancer. Epidemiology 1994, 5:324-30.
[4] UNICEF, WHO, UNESCO: Facts for Life: A Communication Challenge, New York: UNICEF 1989; p 20.
[5] Bowles, BB; Leache, J; Starr, S; Foster, M: Infant feeding preferences card. J Hum Lact1993; 9:256-58.
[6] Klass, P: Decent exposure. Parenting (May) 1994;98-104.

Übersetzung: Regine Gresens, IBCLC, November 2004

Quelle:
Originaltext: "Watch Your Language!" von Diane Wiessinger, MS, IBCLC
Aus: Journal of Human Lactation 12(1), 1996, p. 1-4.