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Geburtsberichte

Geburtsbericht von Anonymus1

Geburt mit Startschwierigkeiten
Es handelt sich um die Geburt meines zweiten Kindes. Meine Tochter - mein erstes Kind - ist bei 37+4 per primärem Kaiserschnitt geholt worden, da sie eine Beckenendlage war. Mit meiner heutigen Erkenntnis, hätte ich damals eine spontane Entbindung angestrebt - auch wenn ich dafür evtl. in ein 80km entferntes Krankenhaus hätte fahren müssen. Wir sind aber trotzdem mit unserer Entscheidung von damals im Reinen, da wir sie aufgrund unserer damaligen Einstellungen getroffen haben und sie somit für uns richtig war.
Mein Sohn, um den es hier in dem Geburtsbericht geht, ist bei 36+4 gekommen, nachdem 36+0 die Fruchtblase geplatzt ist...:

Donnerstag, 23. April 2009
Abende vorher sehr spät ins Bett; mein Mann seit Dienstag auf Seminar 60 km entfernt; Nestbautrieb: Babysachen in den Schrank sortiert, Stoffwindeln gewaschen, Einlagen für Stoffies vorbereitet, Sämtliche Babyvorbereitungen fertiggestellt (auch wenn ich mir dabei ein wenig albern vorgekommen bin, das alles schon so früh zu machen - ET ist ja erst 21. Mai!)
Mittags/Nachmittags ein durchsichtiger Klumpen Schleim in der Unterhose (zäh-elastisch, ein Teelöffel ca.); bin erst leicht verwirrt, mache mir aber bzgl. Schleimpropf keine weiteren Gedanken, weil ja noch 4 Wochen Zeit sind bis zum ET
19.00 Uhr Schwangeren-Yoga im Geburtshaus - ein guter Freund (und Nachbar) passt auf meine Tochter auf
21.55 Uhr wieder da vom Yoga und Tochterbetreuung verabschiedet;
21.00 Uhr auf dem Weg zur Gästetoilette fing auf einmal an, ordentlich was in mir zu fließen - also schnell Hose runter und aufs Klo setzen: Blasensprung
Auf der Toilette laufen lassen
kurz meine Tasche geholt und meine Hebamme angerufen
meinen Mann angerufen - bzw. das Hotel in dem er war ( er saß mit den anderen Teilnehmern der Seminargruppe beim Abendessen, als ihm das Hotel-Telefon gebracht wurde... :-),
Meine Tochter (2 1/2) fragt besorgt "Mama tut weh?" (ich muss wohl etwas geschockt ausgesehen haben - aber wehgetan hat nichts), räumt dann im Gästeklo meine Tasche aus, setzt meine Sonnenbrille auf und findet einen Brauselutscher, den ich mal irgendwann geschenkt bekommen habe und ist beschäftigt
Eine Freundin (Geplante Geburtsbetreuung für meine Tochter) angerufen und Bescheid gesagt, dass es losgehen könnte
Tochter "bettfein" gemacht und mit ihr im Bett liegend auf meinen Mann gewartet; der hat gleich unseren Nachbarn mitgebracht, der sich zu der kleinen Maus gelegt hat und mein Mann und ich sind zur Hebamme ins Geburtshaus gefahren
Geburtshaus (ca. 22.00)
CTG i.O. - wieder nach Hause - warten auf Wehen

Freitag, 24. April 2009
Zu Hause
Schlafen; Nur kurz leichte Wehen - dann nicht mehr;
5.30 Uhr Rhizinuscocktail, den mir meine Hebamme mitgegeben hatte
8.30 Uhr Geburtshaus
CTG i.O.;
Blutabnahme (zur Erkennung von Infektionszeichen) scheitert (Venen zu klein und rollen weg...); zur Abhnahme zur Praxis vom Allgemeinarzt; dann Blut ins Labor gefahren
14.00 Uhr Geburtshaus
Vorher Blutabnahme beim Arzt
CTG i.O.;
abends zu Hause
bringen unsere Tochter zu Freunden; dort wird sie schlafen; rechnen mit Einsatz Wehen in der Nacht
20.00 Uhr Geburtshaus
CTG i.O.
Blutabnahme funktioniert --> mein Mann fährt Blut zum Labor im Klinikum
Nachts zu Hause; wieder kurz Wehen (eine Stunde lang alle 15 Minuten - danach wieder nichts)

Samstag, 25. April 2009
ab 7.00 Uhr Geburtshaus
CTG i.O.
Blutabnahme --> Labor Klinikum
entscheide mich, im Geburtshaus zu bleiben
Entscheidung über weiteres Vorgehen: Eine Vaginale Untersuchung
wenn Muttermundbefund "reif", dann Wehentropf im Geburthaus
wenn Muttermundbefund "unreif", dann Einleitung im Klinikum
--> Befund "unreif", jedoch "Hölle los" im Klinkum; Entscheidung antibiotische Abdeckung im Geburtshaus und am nächsten Tag ins Klinikum
Alle 4 Stunden CTG (alle i.O.); alle 6 Stunden Blutkontrolle, alle 8 Stunden Antibiotika (und das mit meinen Venen... noch über eine Woche nach der. Entbindung waren meine Armbeugen, Arme und Hände blau und geschunden :)
Mein Mann holt unsere Tochter ab und bringt sie abends mit ins Geburtshaus; wir verbringen die Nacht alle drei gemeinsam dort, da wir nicht mehr mit natürlichem Weheneinsatz rechnen, aber die Überwachung mit CTG und Blutkontrolle und die antibiotische Abdeckung so unkompliziert weitergeführt werden kann

Sonntag, 26. April 2009
Geburtshaus
ca. 7.30 Uhr CTG, Blutabnahme, Antibiose
danach Frühstück (tolle Versorgung und sehr lecker!!)
mein Mann fährt mit der Krawallbiene zum Frühstücken nach Hause und bringt sie dann zu Freunden
Dann Entscheidung ins Klinikum in den Schichtdienst zu gehen, da die Beleghebammen, die mit dem Geburtshaus zusammenarbeiten beide in der Nacht vorher gearbeitet hatten
Überweisung etc.
ab ca. 13.00 Uhr Klinikum Ingolstadt
CTG, Blutabnahme, Antibiose, Flüssigkeit intravenös
Untersuchung durch den Oberarzt: Mumu unreif, Einführung von Vaginalgel mit 2 mg Prostaglandin-E2 (wahrscheinlich... ist ergoogelt - mal Geburtsbericht anfordern)
Danach hat mein Mann Pizza geholt, die wir dann im Garten vom Krankenhaus in der Sonne gegessen haben
ab und zu leichte Wehen
ca. 16 Uhr wieder zurück zum CTG
18 Uhr haben wir unser Familienzimmer bezogen
ab 18.45 Uhr regelmäßige Wehen - Spazierengehen ums Klinikum
19.30 Uhr CTG und erneute Untersuchung
zur ersichtlichen Überraschung des Oberarztes reifer Mumubefund, Fingerdurchlässig - keine weitere Gabe von Prostaglandin notwendig (sein Blick war sehr lustig, da er ziemlich überrascht war, wie ohne "starke" Wehen der Mumu sich so verändern konnte :-)
Spazierengehen - Zimmer - Gehen --> Wehen werden stärker und kommen in kürzeren Abständen; Ich fange an, mich bei den Wehen abzustützen oder an meinen Mann zu hängen und ein tiefes aaaaa zu singen; dieses "tiefe aaaa" hat mir während der gesamten Wehen geholfen, diese gut auszuhalten
gegen 23 Uhr wieder im Kreißsaal - Wehen werden stärker - die Hebammenschülerin (ein Engel!!!) massiert währenddessen das Kreuzbein; sehr angenehm
CTG; Untersuchung durch die diensthabende Hebamme (wie sich später noch herausstellte war sie nicht so unser Fall) (Mumu ca 2 cm??)

Montag, 27. April 2009
vor Badewanne Ibuprofen bekommen (gemäß diensthabender Hebamme sei das gut in Verbindung mit der Badewanne, um den Mumu zu lockern; hätte im Nachhinnein gerne drauf verzichtet)
ca. 0.15 Uhr Badewanne
ca. 1.15 Uhr raus aus Badewanne; erstes Übergeben (hm... die gute Pizza ;-)
CTG und Antibiose
wieder Übergeben
ca. 2.45 Uhr ?? Untersuchung durch diensthabende Hebamme (Mumu ca. 3-4 cm);
Während der Untersuchung muss ich liegen; Wehen im liegen gehen gar nicht; mag wieder in den Vierfüßler und dann wieder im stehen aufs hochgefahrene Bett gelehnt; singe immer noch das tiefe "aaaaaaa" während der Wehen, mache mich "rund" und versuche nicht zu verspannen
Die diensthabende Hebamme malt Horrorszenarien über unzählige Stunden Geburtsverlauf, dass ich dafür nicht die Kraft hätte und drängt zu Wehentropf; die Wehen seien zu unregelmäßig und somit zu unproduktiv und müssten durch den Tropf regelmäßig "gemacht" werden;
Ich wäre willenlos gewesen und hätte am Ende zugestimmt; ziehe mich hilflos aufs Klo zurück (war wohl ein Instinkt, um der Situation zu entgehen); mein Mann fragt noch mal kritisch bei der Hebamme nach; die Hebammenschülerin verschafft uns 5 Minuten Bedenkzeit alleine... Wir lehnen Wehentropf und Schmerzmittel ab (mein Mann war so klasse! Ich höre ihn nur sagen "Ich kenne meine Frau - sie ist stark - sie schafft das!"
Wehen sind stark; Im Stehen oder Vierfüßler zu ertragen; Bin müde aber wie in Trance;
ca. 3.30 Uhr "Ich muss pressen"; "Wollen sie noch mal auf die Toilette" Da saß ich dann, musste wieder pressen und rief nur "das Baby kommt!" Mein Mann erzählte mir im Nachhinein, dass er mich in diesem Augenblick für verrückt hielt, die Hebammenschülerin hat dann bei mir auf der Toilette nachgefühlt und meinen Ausruf bestätigt;
Ich soll von der Toilette runter. Setze mich auf den Geburtshocker; Total ungemütlich; Runter auf den Boden: Vierfüßlerstand - mein Mann vor mir. 1-2 Presswehen; Fühle mich so stark und voller Kraft. Sämtliche Kraftlosigkeit ist verschwunden; Die Hebamme gibt mir irgendwelche Anweisungen, die ich während der Presswehe aber glücklicherweise sowieso nicht verstehe
Dann soll ich aufstehen; mein Mann schnauzt die Hebamme an, dass wir unten bleiben wollen. Stehen dann doch auf... Eine Presswehe im Stehen; im Stehen eine Katastrophe. Also Vierfüßler auf dem Bett
Kann den Kopf fühlen; Bin total euphorisch und rufe nur "Ich kann den Kopf fühlen - das ist ja sooo faszinierend!" Ich glaube noch 3 Presswehen; die Hebamme lässt mich nicht mehr mit meiner Hand an den Kopf des Babys, hält einen warmen Waschlappen davor; lasse meine Hand trotzdem dort - zumindest am Waschlappen
Eine letzte Presswehe - 4.05 Uhr - unser Sohn ist da und schreit kurz
Ich nehme ihn hoch und halte ihn im Arm
Soll mich schnell auf den Rücken,legen (irgendwer sagt was von viel Blutverlust) das Baby in meinem Arm wird mit warmen Handtüchern zugedeckt
Die Nabelschnur pulsiert schnell aus und mein Mann schneidet die Nabelschnur durch
Dass der Oberarzt sich in den Kreißsaal geschlichen hat, habe ich gar nicht gemerkt; er hat sich im Hintergrund hingesetzt
4.35 Uhr kommt die Plazenta
Die Hebamme erzählt, dass der Kleine die Hand vorm Kopf hatte, als er rauskam
Ohne nachzuschauen holt die diensthabende Hebamme den Oberarzt zum Nähen... ich frag ihn, ob denn wirklich etwas genäht werden muss - er schaut noch mal genau nach und sagt mir (zu meiner Freude), dass nur oberflächliche Verletzungen da sind, und wir auf das Nähen verzichten können
Bin etwas zittrig
Mein Mann ist auch etwas zittrig, ebenfalls überwältigt und verlangt nach Sekt für den Kreislauf (er trinkt sonst fast nie Alkohol ;-)
Bis 5.45 Uhr bleibt unser Sohn bei mir liegen; saugt auch das erste Mal an der Brust
Um 5.45 Uhr macht die Hebammenschülerin dann die erste Versorgung des Babys (Messen, Wiegen, ...) Fersenblut zur Glucosewertbestimmung wurde vorher schon abgenommen, als der Kleine noch in meinem Arm lag; haben wir aber nur ein mal machen lassen; Wert war i.O. und er hatte ja auch schon Kolostrum getrunken danach
2340g, 49cm, 33 cm Kopfumfang 7.30 Uhr Verlegung in unser Zimmer - überlege erst, selbst zu gehen, lasse mich dann aber doch mit Baby im Arm im Rolli schieben
Wir sind müde, aber aufgedreht; Versuchen zu schlafen; nicht wirklich möglich (Wie auch - Montag 8 Uhr im normalen Klinikbetrieb; da hilft auch ein Familienzimmer nicht, dass ständig jemand reinkommt und "nervt" (alle sehr nett und alles sicherlich gut gemeint, aber irgendwie nicht das Richtige für mich in dem Momement)
Gehe duschen Warten auf Kinderarzt, SMS an unsere Hebamme aus dem Geburtshaus und unsere Familie
KiArzt macht noch Check; alles i.O. 12.00 Uhr sitzen wir im Auto auf dem Weg nach Hause (glücklicherweise nur 5 Minuten Fahrt)
Nachmittags holt mein Mann unsere Tochter aus der Kinderkrippe ab; Sie läuft aufgeregt ins Haus und ruft "Wo ist der Baby?" "Guckuck Baby! Wo bist Du?"
um 19.00 Uhr kommt dann unsere Hebamme vorbei und macht den ersten Wochenbettbesuch

Ich bin immer noch überwältigt von der Erfahrung einer relativ natürlichen Geburt (bis auf Einleitung und Ibuprofen) und bin sehr dankbar durch die tolle Vorbereitung durch meine Hebamme, die mich bis zu den Grenzen des außerklinisch Machbaren im Geburtshaus umsorgt und nie an meiner Fähigkeit vaginal zu entbinden gezweifelt hat.
Die Entscheidung nahezu ambulant zu entbinden und das Wochenbett in Ruhe zu Hause zu verbringen ist goldrichtig gewesen. Der Kleine trinkt prima, und das Anlegen hat nach der Hilfe von Medela Brustwarzenformer-Schalen, die ich von meiner Hebamme bekommen habe, noch viel besser funktioniert. Milcheinschuss war nicht so schlimm, wie beim ersten Kind und unser Sohn hat bereits am 4. Tag 300g mehr als Geburtsgewicht gehabt und wir konnten die Zeit als Familie zu viert genießen. Mittlerweile ist er ein halbes Jahr alt und wiegt über 9 kg - ausschließlich durch Muttermilch! Die große Schwester trinkt auch wieder zum Einschlafen an der Brust. Ich hatte sie mit 2 Jahren abgestillt, da mir das Stillen in der Schwangerschaft zu schmerzhaft wurde, ihr aber versprochen, dass sie wieder probieren darf, wenn das Baby da ist :)
Die U2 wurde dann im Hausbesuch vom Arzt durchgeführt. Meine Hebamme ist dann noch regelmäßig zu Besuchen gekommen, was mir ein sehr sicheres und umsorgtes Gefühl gegeben hat, auch wenn es eigentlich kaum offene Fragen gab. Da unsere Verwandten alle mindestens 700 km zurückzulegen haben, um uns zu besuchen, haben wir den ersten Verwandtenbesuch erst Anfang Juli zugelassen. Wir hatten bei unserem ersten Kind bereits 4 Wochen "Sperrfrist" verhängt und gemerkt, dass uns das sehr gut tut.