Startseite

Geburtsberichte

- Franz William
- Philipp Christian
- Anonymus1
- Anonymus2
- Anonymus3
- Amelie
- Hausgeburt
- Anonymus4
- Krümel
- nach Sectio

Was (werdende) Mamas wissen sollten/wollen

Stillen

Die sanfte Geburt

Bildergalerie

Tipps von Mamas für (werdende) Mamas

Tragen

Begrifferklärungen

Stillgruppe

Onlineshop

Tagesmutter

Schlafen

Kaiserschnitt

Ammenmärchen

Literatur

Links

 

 

Geburtsberichte

Geburtsbericht von Anonymus3

Geburtsbericht vom 30. Dezember 2009 aus Sicht der Hebammenschülerin

1. Aufnahme zur Geburt

Datum: 30.12.2009
Uhrzeit: 10:00 Uhr
Grund: Erstgebärende (Gravida I, Para 0), ET 31.01.2010, vorzeitiger Blasensprung zu Hause um 07:00 Uhr schwallartig, Fruchtwasser klar, unregelmäßige Wehentätigkeit seit 07:30 Uhr, keine Blutung, Frau A. war erst im Krankenhaus in Eichstätt, wurde aber wegen der frühen Schwangerschaftswoche nach Ingolstadt geschickt.
Frau A. ist etwas verunsichert und ängstlich ob das Kind nicht zu klein sei um schon geboren zu werden, sie spürt die Wehen verstärkt im Rücken sowie leichten Druck nach unten, sie und ihr Mann sind sehr offen und beantworten alle Fragen gerne, sie beruhigen sich schnell als wir ihnen die Situation genau erklären und den Kinderarzt vorab über ihre Anwesenheit informieren.

Aufnahmeuntersuchungen: Vitalwerte: RR 120/70 mmHg, Puls 64 spm
Temperatur 36,6°C subl. Physiologisch
Ödeme/Varizen: keine
Leopold´sche Handgriffe: Fundus 3 Querfinger unter dem Rippenbogen, Rücken als große harte Fläche rechts tastbar, Kopf unten und nicht II. Schädellage mehr ballotierbar CTG -Kontrolle: BL 140 spm, undulatorische Oszillation, sporadische Akzelerationen, keine Dezelerationen, unregelmäßige Wehentätigkeit ca. alle 4-5 Minuten, Kindsbewegungen positiv VU: Muttermund 9 cm, weich, Portio 0 cm, keine Fruchtblase tastbar, vorangehender Teil Kopf in Beckenmitte
Ultraschall: wurde nicht durchgeführt da Eröffnungsperiode bei Eintreffen bereits fast vorbei Blutabnahme: Venenverweilkanüle am rechten Unterarm gelegt, Labor: Gyn I+II, CRP
Habitus: mittelgroße schlanke Frau, Bauch entsprechend der Schwangerschaftswoche eher klein
Aussehen: Frau A. trägt Jeanshose, braunen Pulli und Winterstiefel, braunes schulterlanges Haar ist zusammengebunden, ca. nach 30 Minuten im Kreissaal ist es Frau A. zu warm und sie zieht den Pulli aus, darunter hat sie einen BH und ein Träger-Top
Eindruck: Frau A. ist jetzt zum einen beruhigt, dass die Geburt schon weit fortgeschritten ist und alles in Ordnung ist, aber sie hat nun Sorge, dass sie die Atemtechnik nicht beherrscht. Das Paar wirkt überrumpelt von der kurz bevorstehenden Geburt des Kindes.

2. Leitung der Eröffnungsperiode

10:30 Uhr
- Frau A. spürte die Wehen bei Eintreffen im Kreissaal im Rücken, jetzt starkes Ziehen von hinten zum Schambein hin und starker Druck nach unten
- sie möchte am liebsten in aufrechter Position bleiben, Liegen lehnt sie ganz ab, die ihr angenehmste Position ist Knien auf einer Matte mit Abstützen des Oberkörpers auf dem Kreisbett, ihr Mann massiert ihr den Rücken und redet ihr gut zu
- während der Wehen muss Frau A. kräftig mitatmen und bittet mich, mit ihr zusammen zu atmen
- Wehen jetzt öfter (ca. alle 2 Minuten) und länger (ca. 45-60 Sekunden)
- Frau A. möchte nichts essen und trinken
- Frau A. zieht nach wie vor die aufrechte Position vor, ich biete ihr an einen Entbindungshocker zu holen, wozu sie erleichtert zustimmt

Vorbereitungen zur Geburt:

- Matte auf den Boden, Leder darauf
- Entbindungshocker platzieren und mit Molton abdecken, dahinter einen Drehhocker für den Partner
- CTG zur Überwachung des Kindes wird angeschlossen
- Schüssel mit PVP -Lösung, Epi-/Abnabelungs-Sieb , Handtücher für das Kind sowie Röhrchen und Spritze für Nabelschnurblutabnahme, Mülleimer und Wäscheabwurf in Reichweite stellen
- telefonische Information des Kinderarztes über die bevorstehende Geburt, er komme gleich und warte vor der Tür um nicht zu stören
- Frau A. nimmt auf dem Hocker platz, findet es angenehm darauf zu sitzen
- Herr A. stützt sie von hinten und hält ihre Hände
- Die Hebamme sitzt gerade vor der Frau, trägt sterile Handschuhe
- ich sitze an der rechten Seite der Frau, trage sterile Handschuhe
- die Ärztin steht auf der linken Seite und hat die Utensilien für die von den Eltern gewünschte Nabelschnurblutspende bereit

3. Leitung der Austreibungsperiode

3.1 passive Austreibungsperiode

- Frau A. wird informiert dass der Muttermund vollständig geöffnet ist aber der Kopf noch nicht ganz heruntergekommen ist und sie daher noch nicht mit schieben sollte
- die Gebärende und ich veratmen gemeinsam die folgenden 4 Wehen, sie macht es sehr gut, ist sich aber unsicher ob sie wirklich alles richtig macht
- in der veratmeten Wehe kommt der Kopf zügig tiefer und rotiert sich ganz aus
- die Gebärende fängt an zu Stöhnen und etwas zu weinen, ihr Mann und das Personal versichern ihr dass alles in Ordnung ist und sie die Wehen sehr gut verarbeitet
- Frau A. gibt starken Druck auf den Darm an und beim Spreizen der Labien ist der Kopf in der Scheide sichtbar
- CTG: Herzfrequenz des Kindes jetzt etwas niedriger, ca. bei 100 spm, weiterhin gute Oszillation

3.2 aktive Austreibungsperiode (11:25 Uhr)

Einschneiden des Kopfes

- Die Gebärende hat reflexartigen Drang zu Drücken und schiebt vorsichtig in der nächsten Wehe mit, Kopf wird sichtbar, weicht nach der Wehe wieder etwas zurück, Anus klafft, etwas Stuhlgang kommt
- nach den nächsten 3 Presswehen weicht der Kopf immer wieder etwas zurück, die Frau wird von mir angeleitet, bei der nächsten Wehe richtig kräftig mitzupressen und die Luft beim Pressen nicht herauszulassen
- sie weint und jammert und wirkt sehr angestrengt und ängstlich, zittert ein wenig
- in den Wehenpausen kann sie sich schlecht entspannen, stellt viele Fragen und schaut Hilfe suchend im Raum herum
- in der nächsten Wehe drückt Frau A. mit großer Anstrengung nach unten, der Kopf schneidet ein und bleibt nach der Wehe stehen
- CTG: erneuter geringer Abfall der Herzfrequenz des Kindes auf ca. 90 spm
- die Gebärende meint es gehe nicht voran, ist aber wieder motiviert, als sie den Kopf in der Scheide gefühlt hat und ich ihr sage dass das Kind viele dunkle Haare hat

Durchschneiden des Kopfes

- in der nächsten Wehe drückt die Gebärende wieder mit ganzer Kraft mit und ich lege meine linke Hand auf das Köpfchen zur Kopfbremse
- der Kopf kommt nur Millimeter für Millimeter tiefer, der Damm walzt sich ganz lang aus, dehnt sich dann aber kaum noch
- ich möchte mit meinem Finger unter dem Damm entlang fahren, komme aber nicht zwischen Kopf und Damm
- CTG: BL ca. bei 80-90 spm, gute Oszillation
- Die Hebamme und die Ärztin entscheiden einen kleinen Dammschnitt zu machen
- Frau A. hat Angst davor und bittet es zu vermeiden, ist aber einverstanden als wir ihr erklären dass dann der Druck auf das Köpfchen dann geringer ist und die Geburt wahrscheinlich dann schneller vorbei ist
- während der nächsten Wehe weise ich sie wieder an mit ganzer Kraft zu pressen, die Hebamme führt einen medianen Dammschnitt durch
- in der gleichen Wehe holt die Gebärende auf meine Anweisung hin erneut Luft und schiebt erst kräftig, dann nach Gefühl vorsichtiger mit
- der Kopf schneidet schnell durch, ich muss mit viel Kraft den Kopf bremsen und weise Frau A. an, die Wehe wenn möglich leicht zu veratmen, ihr Mann atmet mit ihr gemeinsam

Kopfgeburt

- ich lasse den Kopf ganz langsam steigen und versuche den Damm gut zu stützen um ein weiteres Reißen zu vermeiden, den Anus decke ich mit einem Tuch ab
- Stirn, Gesicht und Kinn werden geboren
- nach Geburt des Kopfes durch eine Deflexionsbewegung atmet sie tief aus und gibt an, dass der starke Druck nun viel erträglicher sei, ich werfe das Dammschutztuch weg und weise sie an, tief in den Bauch zu atmen und auf die nächste Wehe zu warten
- CTG: Herztöne oft nicht mehr registrierbar, Toko-Knopf wird abgenommen um nicht zu stören, die erfasste Herzfrequenz liegt bei ca. 80 spm
- Herr A. wirkt jetzt sehr aufgeregt, da er den kleinen Kopf gesehen hat, der eine bläuliche Farbe hat, wir beruhigen beide und erklären, dass das normal sei und sich dann wenn das Kind atmet auch ändert

Schultergeburt

- bei der nächsten Wehe, die sehr rasch folgt, dreht sich der Kopf mit dem Gesicht zu dem linken Oberschenkel der Mutter, ich halte meine Hände nur an den Kopf, drehe aber nicht mit
- auf meine Anleitung hin schiebt Frau A. erneut mit, kräftig, aber dennoch vorsichtig, Absenken des Kopfes ist leicht möglich bis 2/3 des Oberarmes sichtbar sind, danach anleiten zum Ausatmen, neuem Einatmen und leichtem Mitschieben, Anheben des Kopfes in Führungslinie bis die hintere Schulter ebenfalls geboren ist
- ich weise die Frau an auszuatmen, nicht mehr zu schieben und wenn sie möchte unten zu sehen

Entwickeln des Kindes

- nach der Schultergeburt folgt der restliche Körper zwanglos in Führungslinie
- Geburtszeit 11:41 Uhr

4. Leitung der Plazentaperiode

4.1 Erstversorgung des Kindes

- ich halte das Kind so dass die Eltern es betrachten können, ich kann ihn nicht auf ein sauberes Molton legen, da die Nabelschnur so kurz ist, die Hebamme hält darum von unten das Molton dagegen und nimmt mir das Kind ab
- der kleine Junge schreit nicht, der Brustkorb hebt und senkt sich und die Nasenflügel bewegen sich bei der Atmung
- ich nabele den Neugeborenen früh ab und zwar relativ dicht am Kind, damit für die Nabelschnurblutspende möglichst viel der sowieso kurzen Nabelschnur zur Verfügung steht
- sofort nach dem vorläufigen Abnabeln wickle ich ein warmes Handtuch um das Kind und gebe es seiner Mutter, die genau wie ihr Mann völlig überwältigt ist und kaum glauben kann dass die Geburt so schnell ging und der lang erwartete Sohn nun da ist, sie nehmen ihr Kind herzlich in Empfang und betrachten das Gesichtchen, lachen viel und bedanken sich bei uns
- ich weise sie an, den Körper ihres Sohnes behutsam zu reiben um ihn etwas zu stimulieren, er wirkt erschöpft und lässt einfach alles über sich ergehen
- Apgar-Werte
nach 1 Minute: Apgar 9 (Kind atmet, bewegt sich, zeigt Reflexe, Herzfrequenz > 100 spm, Körper rosig, Extremitäten blau)
nach 5 Minuten: Apgar 10 (Kind atmet, bewegt sich, zeigt Reflexe, Herzfrequenz > 100 spm, Körper rosig)
nach 10 Minuten: Apgar 10 (Kind atmet, bewegt sich, zeigt Reflexe, Herzfrequenz > 100 spm, Körper rosig)

4.2 Blutentnahme aus der Nabelschnur

- Die Ärztin versucht sofort die Nabelschnurblutspende durchzuführen, stellt aber schnell fest, dass sie die erforderliche Blutmenge nicht aus der Nabelschnur bekommt und bricht die Spende nach dem 2. Versuch ab
- umgehend danach nehme ich die Blutprobe aus einer Nabelschnurarterie zur Bestimmung des pH-Wertes und des Base excess sowie ein Serumröhrchen zur Rückstellung für evtl. benötigte spätere Laborkontrollen
- pH-Wert: -7,32
- Base excess: -2,7 mmol/l

4.3 Mobilisation der Wöchnerin auf das Kreissbett

- nach Abschluss der Blutabnahme aus der Nabelschnur gebe ich das Kind seinem Vater um Frau A. auf das Kreisbett zu helfen, er sieht sehr stolz aus als er seinen Sohn zum ersten Mal selbst auf dem Arm hält
- die Hebamme und ich helfen der Wöchnerin vom Hocker aufzustehen und zum Kreisbett zu gehen, sie wirkt sicher beim
Laufen und gibt keinen Schwindel oder andere Beschwerden an, nach dem Aufstehen vom Hocker halte ich die Klemme mit der Nabelschnur hoch und eine Binde zwischen die Beine der Frau, jedoch tropft kaum Blut darauf
- auf dem Kreisbett möchte die junge Mutter gleich wieder ihr Kind zu sich haben, ihr Mann legt es ihr vorsichtig in den Arm und küsst beide liebevoll
- direkt an die Pobacken unter die Scheide stelle ich eine Nierenschale um den Blutverlust zu beurteilen (300 ml)
- ich decke Frau A. mit einem Tuch auf die Schamregion etwas ab und rufe den Kinderarzt herein, die Vulva habe ich durch ihre aufgestellten Beine weiterhin im Blick

4.4 Plazentageburt

- Kontrolle von 2 Lösungszeichen: Nabelschnurgefäße sind kollabiert, Küstner positiv
- Entwickeln der Plazenta
- ich fasse die Nabelschnur und wickle sie 1x um meinen Zeigefinger
- auf Anweisung schiebt Frau A. noch mal leicht mit
- ich ziehe vorsichtig an der Nabelschnur und entwickle die Plazenta in Führungslinie
- Plazentageburt: 11:55 Uhr
- Plazentalösung nach Schultze (Plazenta löst sich zuerst in ihrer Mitte)
- Eihäute folgen ohne Probleme

4.5 Beurteilung der Plazenta

- während der Plazentabeurteilung untersucht der Kinderarzt den kleinen Jungen
- Ausbreiten der Plazenta auf einem Leder, Abtupfen von Blut und Koageln mit einer Stoffwindel
- während der Beurteilung von mütterlicher und kindlicher Seite sowie der Eihäute und der Nabelschnur erkläre ich den Eltern mein Vorgehen, sie wirken sehr interessiert und betrachten die Plazenta genau, mitnehmen möchten sie diese jedoch nicht
- Größe: ca. 12 cm im Durchmesser
- Dicke: ca. 2 cm dick
- Gewicht: passend zum Kind
- mütterliche Seite:
Typische perlmuttartige Schicht lückenlos (= Dezidua), Kotyledonen lassen sich lückenlos aneinanderlegen, keine blutende Stellen, keine Verkalkungen, Übergang zu Eihäuten rundherum sichtbar
- Eihäute:
Amnion und Chorion vollständig, klar, keine abirrenden Gefäße in den Eihäuten, keine Nebenplazenten
- kindliche Seite:
Nabelschnuransatz zentral auf der Plazenta, keine Verfärbungen sichtbar
- Nabelschnur: 3 Gefäße in der Nabelschnur, normale Länge, Durchmesser ca. 1 cm

5. Leitung der Postplazentarperiode

5.1 Fundusstand und Blutung

Nach der Plazentabeurteilung ist der Uterus gut kontrahiert, der Fundus steht 2 Querfinger unter dem Nabel; Blutung im Normalbereich

5.2 Inspektion der Geburtswege

Um Frau A. nicht unnötig weh zu tun verzichten wir auf eine Inspektion der Geburtswege da der Dammschnitt sowieso medizinisch versorgt werden muss und die Ärztin im Zuge der Naht eine Inspektion durchführt
Dammriss Grad II (wurde genäht)
Labienschürfungen beidseits (nicht behandlungsbedürftig)

5.3 Naht der Geburtswege

- Vorbereitung zur Naht wie üblich
- Lagerung der Frau in Steinschnittlage
- die Naht wird von Arzt in lokaler Betäubung durchgeführt
- nach Beenden der Naht kläre ich Frau A. über die Pflege auf und gebe ihr Ratschläge wie sie Schmerzen z. B. beim Wasserlassen vermeiden kann

5.4 Erstuntersuchung des Neugeborenen

Der hinzu gebetene Kinderarzt kontrolliert Herzschlag und Atmung des Neugeborenen und nabelt endgültig ab, er hat nichts zu beanstanden und bittet mich die U1 selbst durchzuführen;
Da Frau A. stillen möchte berät der Kinderarzt sie:
Sie solle ihn regelmäßig Anlegen, aber ihn nur eine kurze Zeit saugen lassen, damit er nicht zu erschöpft wird und ihm danach eine fertige Kindernahrung aus der Flasche geben. Dies sei für ihn schonender und es wäre sichergestellt, dass er genug Nahrung bekommt. Wenn er dann etwas kräftiger sei, könne sie ihn länger anlegen und die Flaschennahrung weiter reduzieren bis sie zum vollen Stillen übergeht. Die Eltern sind mit diesem Vorschlag einverstanden.

U1:

Kopf:
- runde Kopfform
- schwarze Haare - Fontanellen sind im Niveau
- Schädelnähte teilweise konfiguriert

Gesicht:
- symmetrisch
- Augenbrauen beidseits dünn zu sehen
- Stirnhaargrenze kaum abgrenzbar

Augen:
- beidseits symmetrisch angelegt
- Skleren weiß
- Wimpern beidseits erkennbar
- Lidachse waagrecht
- Lider können geschlossen werden

Nase: - mittig im Gesicht
- Nasenknorpel angelegt
- Nasenlöcher einsehbar
- zeitweise Nasenflügeln

Filtrum: - angelegt

Mund:
- Lippenfarbe dunkler als Gesichtsfarbe, Lippen gut abgrenzbar
- kann geöffnet und geschlossen werde
- Zahnleiste und Gaumen geschlossen (ausgetastet)
- Zunge frei beweglich
- Such-/Saugreflex vorhanden

Ohren:
- beidseits auf gleicher Höhe, symmetrisch
- spontaner Ausgleich nach Abknicken der Ohrmuscheln
- Haut hinter den Ohren intakt
- Gehörgänge beidseits einsehbar

Hals:
- Haut auch in den Falten intakt

Thorax:
- Schlüsselbeine intakt
- Brustdrüsen symmetrisch und nicht erhaben
- Warzenhöfe farblich abgrenzbar von der Thoraxhaut
- Durchmesser der Warzenvorhöfe größer 0,5 cm
- Haut hat guten Turgor
- wenig Unterhautfettgewebe

Abdomen:
- Bauch weich
- Hautnabel (Haut der Bauchdecke überzieht ca. 1 cm der Nabelschnur)
- 3 Gefäße in der Nabelschnur erkennbar

Arme:
- guter Hautturgor
- wenig Unterhautfettgewebe
- 5 Finger an jeder Hand
- Fingernägel erreichen nicht ganz die Fingerkuppen
- Dreifingerfurche an jeder Hand

Beine:
- wenig Unterhautfettgewebe
- guter Hautturgor
- gleich lang
- 5 Zehen an jedem Fuß
- Zehennägel erreichen die Kuppen nicht ganz
- Fältelung über 1/3 der Fußsohle

Genitale:
- Harnröhrenöffnung mittig an der Eichel
- Hodensack symmetrisch
- Hoden sind noch nicht ganz unten im Hodensack angekommen, weichen aber beim Betasten auch nicht zurück
- Haut zwischen Hoden und After intakt
- Händedesinfektion

Ausscheidung:
- noch kein Mekonium oder Urin abgegangen
- Fieberthermometer lässt sich leicht in den After einführen, beim Herausziehen ist an der Schutzhülle Mekonium zu sehen

Nacken:
- Nackenhaargrenze abgrenzbar
- Haut auch in der Falte intakt

Rücken:
- Wirbelsäule geschlossen
- Haut rosig

Po:
- Pofalten symmetrisch
- kein Grübchen am oberen Ende der Analfalte
- Händedesinfektion

Zusammenfassung der Haut:
- Hautfarbe: bei der U1 nur leicht rosig (im Verlauf der weiteren Überwachung bekommt der ganze Körper eine gesunde rosige Farbe)
- Temperatur: Körperstamm und Kopf warm, Finger und Füße etwas kühler
- Unterhautfettgewebe: insgesamt wenig
- Turgor: am ganzen Körper guter Hautturgor
- Beschaffenheit: Haut hat keine Verletzungen, in allen Falten noch viel Käseschmiere die schnell eingezogen ist

Gewicht: 2.650 Gramm
Größe: 47,5 cm
Kopfumfänge: Hutmaß (Circumferentia frontooccipitalis) 31 cm
kleiner Kopfumfang (Circumferentia subocipito bregmatica) 30cm

Während der Untersuchung war der Säugling ruhig, hat nicht geweint und ließ alles über sich ergehen. Beim Anziehen fing er an umherzublicken und war sichtlich erleichtert als er wieder im Arm seiner Mutter lag, dort schlief er sofort ein.

Information an die Eltern:
Der Knabe ist gesund und die Befunde entsprechen dem Schwangerschaftsalter. Da wenig Unterhautfettgewebe vorhanden ist muss unbedingt darauf geachtet werden, dass das Kind warm gehalten und die Temperatur überwacht wird

- der Säugling bekommt je ein Namensbändchen an jedem Arm (nur mit dem Nachnamen, da sich die Eltern noch nicht über den Vornamen einig sind)
- nach Aufklärung und Einverständnis der Eltern verabreiche ich dem kleinen Jungen noch Vitamin K (2mg Konakion oral)

5.5 Überwachung von Mutter und Kind

Die junge Familie bleibt 2 Stunden nach der Geburt der Plazenta zur Überwachung im Kreissaal. Ich besorge ein Bett für Frau A. und ein Babybettchen für ihren Sohn und bringe sie in ein anderes (sauberes) Zimmer.
- regelmäßige Kontrollen:
Uterus immer gut kontrahiert
Fundus immer 2 Querfinger unter dem Nabel
Blutung regelrecht, Wechseln der Vorlagen
Vitalzeichen: RR, Puls und Temperatur immer regelrecht
- Wöchnerin fühlt sich wohl, ist glücklich und noch immer überwältigt von der raschen Geburt, sie strahlt und lacht viel; ihr Mann ist ebenfalls überglücklich und kann den Blick gar nicht von seinem Sohn abwenden, er geht einige Anrufe tätigen und kommt dann schnell wieder zu uns
- das Neugeborene schläft friedlich im Arm der Mutter, ist rosig und warm, zieht ab und zu Grimassen und scheint etwas erschöpft zu sein

6. Übergabe der Wöchnerin und des Kindes an die Station

Uhrzeit: 14:00 Uhr
Wir fahren Frau A., die ihr Kind im Arm hält, auf die Station 41 in ihr Zimmer, ihr Mann schiebt das Kinderbett und trägt die Tasche
Übergabe Mutter:
- 28-jährige Frau
- 1. Kind
- regelrechte Spontangeburt auf dem Hocker
- Plazenta vollständig und unauffällig, Lösungsmodus nach Schultze
- keine Medikamente bekommen
- Geburtsverletzungen: Dammschnitt wurde genäht, Labienschürfungen nicht behandlungsbedürftig
- noch kein Spontanurin
- Blutung regelrecht
- Uterus gut kontrahiert
- Fundus 2 Querfinger unter dem Nabel
- Mutter möchte Stillen, vom Kinderarzt aber anfangs auch Flaschennahrung empfohlen, Eltern wurden darüber aufgeklärt und sind einverstanden

Übergabe Kind:
- lebensfrisches männliches Neugeborenes
- Vorname noch nicht entschieden
- Geburtszeit: 11:41 Uhr
- Apgar: 9/10/10
- Gewicht: 2650 g, Länge: 47,5 cm, Kopfumfang: 31 cm
- U1 war unauffällig
- Konakion erhalten
- noch kein Wasserlassen oder Stuhlgang bis jetzt

7. Reflexion

Aufnahme des Paares wurde von mir umfangreich und korrekt durchgeführt.
Die Betreuung in der Eröffnungsperiode war leider nicht permanent, da im Kreissaal sehr viel zu tun war und ich mehrere Aufgaben gleichzeitig hatte. Hätte ich gleich bei Eintreffen von Frau A. gewusst, dass die Geburt kurz bevorsteht, hätte ich sie nicht mehr alleine gelassen und meine anderen Aufgaben zumindest teilweise abgegeben oder verschoben. In der Zeit in der ich bei der kreisenden Frau war habe ich sie gut betreut, Atemanleitung gegeben, zu Trinken angeboten, Vitalzeichen kontrolliert, CTG geschrieben und beurteilt und Wehen getastet. Ich habe mich nach den Bedürfnissen der Frau gerichtet und den Partner mit einbezogen.
Bei der Geburt habe ich hygienisch und durchdacht gearbeitet, mir alles was ich benötige um mich herum platziert. Meine Anleitung zu Atmung und aktivem Mitschieben waren angemessen und wurden nicht von der Hebamme korrigiert. Der Dammschutz und die Kopfbremse waren gut, ich konnte die Kopfgeburt gut "steuern" da Frau A. einwandfrei auf die Anweisungen reagierte und auch selbst vom Gefühl her richtig reagierte.
Die Erstversorgung des Neugeborenen war zügig und es war richtig schon vorab den Kinderarzt zu informieren.
Bei der Plazentageburt habe ich kein frisches Leder bereitgelegt, so musste ich die Plazenta auf der Unterlage vom Kreisbett beurteilen. Die Inspektion der Plazenta dauerte zu lange, da ich mir hier noch unsicher bin ob die mütterliche Seite vollständig ist.
Vor und während der Naht habe ich hygienisch und richtig gearbeitet und assistiert.
Die weitere Betreuung der Familie war angemessen und gewissenhaft.
Übergabe an die Station war korrekt und vollständig.
Putzen und Nachbereiten des Kreissaals in üblicher Weise.

Mir hat diese Geburt und die Betreuung von Familie A. viel Freude gemacht, da alles so problemlos und rasch verlief und ich mich, bis auf wenige Ausnahmen, alleine um alles kümmern durfte und lediglich "unter Aufsicht" stand. Frau A. und ihr Mann waren von Anfang an sehr freundlich und dankbar für die Betreuung. Wir kamen schnell ins Gespräch und die Schwangere war offen für meine Fragen und Ratschläge.
Ich würde sagen es war eine sehr natürliche Geburt, ohne Medikamente und nach den Wünschen der Frau, genau wie es sein sollte. Das Ehepaar A. hat das Erlebnis der Geburt als ein wundervolles Ereignis erlebt und hat uns hierfür mehrmals Dank ausgesprochen und uns für die gesamte Betreuung gelobt.