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Geburtsberichte

Spontan nach Sectio

Am 29.1.2011 wurde ich per sek. Kaiserschnitt von meiner Tochter Mikaela entbunden. Noch im OP teilte mir der Arzt mit, ich dürfe nie mehr spontan entbinden. Er habe einen T-Schnitt gemacht, und der würde bei Wehen reißen.

Deswegen nur noch per geplanten Kaiserschnitt. T-Schnitt bedeutet, dass der übliche Querschnitt im unteren Uterusbereich nach oben hin längs erweitert wurde, wie ein auf dem Kopf stehendes T. Für mich ist da eine Welt zusammen gebrochen. Ein KS war mir nie in den Sinn gekommen, und jetzt sollte es keinen anderen Weg mehr für mich geben? Die ersten Wochen nach der Geburt waren schwierig. Obwohl alles schnell und problemlos heilte war ich stark eingeschränkt. Den Alltag mit meiner Tochter bewältigte ich nur mit Hilfe meines Mannes. Sie schlief wenig und weinte viel, und unsere Bindung war zu Beginn nicht sehr eng. Durch die schreckliche Geburtserfahrung waren mein Mann und ich aber noch mehr für das natürliche und bedürfnissorientierte Zusammenleben, wir haben ein Familienbett, ich legte mir eine hübsche Sammlung an Tragen und Tüchern zu und wir stillten bis in die nächste Schwangerschaft hinein. Ich glaube, dass diese Dinge meiner Tochter und mir enorm halfen, eine enge und schöne Beziehung aufzubauen. Als ich die erste Trauerarbeit geleistet hatte machte ich mich auf die Suche nach Statistiken und Zahlen, Erfahrungen anderer Frauen mit T-Schnitt. Das Ergebnis war ernüchternd. Es gibt eigentlich nichts dazu. Den Frauen wird immer zur Re-Sectio geraten und aus Angst stimmen die meisten zu. Ich machte mich also erstmal an das Thema Kaiserschnitt allgemein, auch mit Hilfe des Privatgeburtforums (gibt es leider nicht mehr). In der Stillgruppe im Geburtshaus traf ich dann auch auf viele Frauen, die mit ihren Geburten haderten, aber nicht darüber reden konnten. Denn als Frau muss man dankbar sein, dass man ein gesundes Kind hat. Ganz egal ob die vielen, zum Teil entwürdigenden und verletzenden Maßnahmen wirklich nötig waren.

Als unser Babywunsch akut wurde, ließ ich auf Anraten der APM-Therapeutin im GH die Narbe im Fegezentrum Wettstetten entstören. Mein Mann sagte später mal zu mir, dass ich seitdem nicht mehr so reizbar war. Ich selbst spürte meinen Bauch wieder und war endlich in der Lage, die Narbe zu berühren (außen ist nur der Querschnitt zu sehen). Kurz darauf war der Schwangerschaftstest positiv, am 8.6.2012. Plötzlich wurde die Frage nach Ort und Art der Geburt akut. Im Hausgeburtsforum wurde ich darin bestärkt spontan zu gebären, und auch meine Freundinnen standen immer hinter mir. Von Anfang an war für mich klar, dass ich sowenig Arzt wie nur möglich will.

Also ging ich auch zu keinem. In der 7.ssw rief ich bei einer Beleghebamme an. Der Gedanke an Ruptur machte mir Angst, also dachte ich, dass das Klinikum mit einer Beleghebamme eine gute Idee wäre. Ich rief dort an, ihr Ruf als Hebamme mit den wenigsten Sectios eilte ihr vorraus. Aber kaum erwähnte ich den T-Schnitt war alles wieder vorbei. Nur als geplante Sectio.

Puh. Ich heulte Rotz und Wasser, glaubte wirklich nie mehr natürlich gebären zu dürfen. Die Frauen im Hausgeburtsforum bestärkten mich aber wieder in dem Versuch und rieten mir, nicht aufzugeben. Dank einiger Frauen dort fand ich dann meine Hebamme. Geburtshaus kam einfach nicht in Frage, weil ich von dort bei Problemen wieder ins Klinikum gekommen wäre, wo ein Kaiserschnitt sicher war. Meine Hebamme ist zwar 120km weit weg, aber die haben sich gelohnt. Ich lernte sie in der 19.ssw kennen, vorher war ich nur beim Osteopathen in Behandlung. Die Chemie stimmte auf Anhieb und sie sah gar kein Problem in einer Spontangeburt. Auf dem Heimweg merkte ich, wie mir und meinem Mann ein Stein vom Herzen fiel. Ab da fanden die Vorsorgen alle vier Wochen statt. Etwa in der 23. ssw machten wir einen Schall. Mir ging es dabei eigentlich nur um die Plazentalage, dass die nicht in die Narbe einwächst. Das war nicht so, aber natürlich musste die Ärztin mich unbedingt noch darauf hinweisen, wie gefährlich es wäre, nicht wenigstens noch einmal zu schallen. Wie solle man sonst eins der vielen, vielen möglichen Probleme erkennen? Die Zeit verging, ohne Probleme. Ich bekam früh Übungswehen, die mich Abend für Abend ärgerten. Ich hatte den ET nach Eisprung für den 13.2.2013 errechnet, meine Hebamme war da großzügiger und schrieb in den MuPa 12.-17.2.2013. Der 13. kam und ging. Am 14.2. hatten wir nochmal einen Termin zum Schall beim Frauenarzt mit dem meine Hebamme zusammen arbeitet.

Er klärte mich aus schulmedizinischer Sicht nochmal über die Risiken auf, versicherte mir aber gleichzeitig, bei meiner Hebamme in guten Händen zu sein. Beim Schall war alles gut, Plazenta arbeitete noch 1a, Baby mit Bezug zum Becken, Muttermund geschlossen und noch 2,5 cm lang. Ok, sieht nicht nach baldiger Geburt aus. In den nächsten Tagen bekam ich immer stärker Wehen, aber sehr unregelmäßig und bei der kleinsten Störung stoppten sie.

Meine Angst, dass es wieder nicht von alleine losgehen könnte wuchs. Am 20.2. wurden die Wehen stärker, aber ich war allein mit meiner Tochter und immer wieder stoppten sie. Als mein Mann heim kam schickte ich ihn mit ihr in die Wanne, damit ich allein war und Zeit bekam, um zur Ruhe zu kommen.

Prompt wurden die Wehen mehr. Nachdem Mikaela dann im Bett war setzte ich mich auf den Pezziball. Die Wehen waren etwa alle 10 Minuten schmerzhaft zu spüren, also rief ich gegen 23.30 die Hebamme an, dann meine Schwiegermutter und weckte meinen Mann. Als meine Schwiegermutter da war fuhren wir los. Um etwa ein Uhr waren wir in der Praxis und meine Hebamme tastete nach dem Muttermund. 1cm offen und noch wulstig. Ich bekam noch etwas homöopathisches i.m. verabreicht und dann sollten wir nochmal schlafen. Meinem Mann gelang das auch prompt, obwohl ich die Wehen schon etwas lauter verarbeiten musste.

Ich döste zwischen den Wehen etwas weg und stand dann gegen halb sechs auf.

Um sieben kam die Hebamme wieder (sie wohnt über der Praxis). Ich wollte gerne in die Wanne. Allerdings war der Befund fast unverändert, trotz soviel Stunden Wehen. Ich hätte heulen können. Wanne hielt meine Hebamme für keine gute Idee, es hätte bei so geringer Muttermundsöffnung die Geburt stoppen können. Stattdessen bekam ich ein leichtes Schmerzmittel i.m. und leckeres Frühstück. Einige Zeit später fragte ich nach einer Wärmflasche, wenn Wanne nicht geht, da mein Kreuzbein schmerzte wie verrückt in den Wehen. Ich sollte dann doch in die Wanne wenn ich sosehr danach verlangte. Mein Mann und Hebamme ließen mich allein. Das war super, ich triftete richtig ab in eine Trance. Etwa anderthalb Stunden später hielt ich es aber nicht mehr aus, die Wehen wurden richtig heftig. Ich dachte an die Übergangsphase, traute mich aber kaum wirklich dran zu glauben. Ich rief die Hebamme und bat sie, nochmal nachzuschauen. Wenn sich immer noch nix getan hat fahr ich heim, das war alles was ich dachte. Befund war dann 8 cm. Ich traute meinen Ohren kaum. Noch maximal zwei Stunden meinte sie. Ab da schöpfte ich nochmal Kraft. Ich setzte mich auf den Pezziball, vor mir ein Korbsessel. In den Wehen lehnte ich über dem Sessel, mein Mann gab Druck aufs Kreuzbein gegen die Schmerzen. Dann plötzlich..... Wehenpause. Meine Hebamme sagte, dann wäre der Muttermund auf, da gibt's immer kurz Pause. Sie fing an ihre Utensilien für die Geburt herzurichten. Da fingen ich an zu heulen. Es war so surreal, diese Schmerzen, die ich tief vertönen sollte um dem Kind nach unten zu helfen und dazu diese unfassbare Vorfreude. Es sollte wirklich wahr werden, ich sollte ganz normal ein Baby kriegen! Da die Rückenschmerzen immer schlimmer wurden bat meine Hebamme mich aufs Bett und in Seitenlage.

Das Baby versuchte sich am Kreuzbein durchzuschieben. Auf einmal hielt ich es so nicht mehr aus, ich ging auf alle viere. Plötzlich spürte ich, wie etwas stark nach unten schob. Die Fruchtblase platzte und ich merkte genau, wie sich das Baby durchschob bis zum Damm. Da fing ich an, wie verrückt zu pressen. Ich hatte Angst, dass auf den letzten Zentimetern etwas schief geht. Eigentlich ziemlich idiotisch, meine Hebamme ermahnte mich dann kurz, dass ich uns Zeit lassen soll, alles wäre ok. Mein Mann hatte sich zwischenzeitlich zur Hebamme gesellt. Ich presste nochmal und der Kopf war da. In der nächsten Wehe kam der Rest. Da lag also mein Baby, ein hübscher Junge, Jan, und schrie mich an. Die Nabelschnur war sehr kurz, deshalb hat wohl alles etwas gedauert. Ich konnte ihn vor dem Abnabeln nicht mal richtig hochnehmen. Geboren wurde er um 14.30, eine Stunde nachdem es hieß es wären noch max. zwei. Seine Daten waren 3440gr, 56cm und KU 36cm. Damit war sein Kopf größer als der seiner Schwester und trotzdem hat er durchgepasst. Nur fünfzehn Minuten später kam schon die Plazenta. Alles hatte reibungslos geklappt, bis auf eine Schürfung blieb alles heil. Ich will mir gar nicht vorstellen, was im KH alles passiert wäre. Aber meine Hebamme zeigte mir in keiner Sekunde, dass sie Zweifel hätte. Sie horchte nur ab und an mit dem Dopton nach dem Baby und ließ uns sonst machen.

Ich kann gar nicht in Worte fassen wie anders es sich anfühlt, so zu gebären. Obwohl ich bei der Geburt von Mikaela auch achtzehn Stunden Wehen hatte und vieles ausgehalten habe, von dem ich nie gedacht hätte, dass das möglich ist, war es nochmal eine ganz andere Sache, das Kind auch selbst zu bekommen, aus eigener Kraft. Es fühlt sich einfach nur richtig und gut an.

Die Geburt war heftig, schmerzhaft, grenzüberschreitend, perfekt. Diese Erfahrung sollten Mütter machen, und es ist unendlich traurig, dass sie so vielen genommen wird indem man sie gleich aufschneidet oder sonst wie in die Geburt eingreift. Und auch, dass es immer weniger Hebammen gibt, die eine Geburt auch dann noch kompetent und ohne Reinpfuschen begleiten können, wenn sie vom Lehrbuch abweicht, ist einfach nur schlimm.