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Impfen

Inhaltsverzeichnis

Impfen: Was spricht dafür und was dagegen

Die Impfungen im Einzelnen
Tetanus
Diphterie
Polio
Keuchhusten
Hämophilus influenzae B (Hib)
Hepatitis B
Pneumokokken
Masern
Mumps
Röteln
Windpocken
Humanes Papilloma Virus (HPV)
Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME)
Rotavirus-Impfung

Was können Sie tun?

Anhang
Die verfügbaren Impfstoffe
Impfempfehlungen der STIKO
Literatur

Impfen: Was spricht dafür und was dagegen

Informationen für Sie als Eltern
Unter den zahlreichen Impfungen gibt es einige, die sich als sehr wirksam erwiessen haben. Verheerende Infektionskrankheiten wie Pocken, Diphtherie oder Kinderlähmung wurden durch weltweite Impfprogramme unter Kontrolle gebracht. Durch moderne Impfstoffe sind auch wirksame Impfungen gegen Seuchen wie Malaria, Tuberkolose oder HIV in den Bereich des Möglichen gerückt.
Impfungen sind jedoch nur ein Aspekt von Prophylaxe - und nicht immer der kostengünstigste, schonendste und effektivste. Zunehmend werden auch Impfstoffe entwickelt und zugelassen, bei denen der Nutzen unklar ist.
Da es sich beim Impfen um einen Eingriff an gesunden Menschen handelt, müssen Impfstoffe höchsten Sicherheitsansprüchen genügen und Nutzen und Risiko genau untersucht und abgewogen werden. Immer mehr Eltern fragen sich angesichts der ständig erweiterten Impfempfehlungen, ob die zuständigen Behörden hier die nötige Sorfgalt walten lassen.
Die Entscheidung, ob und gegen welche Krankheiten sie ihr Kind impfen lassen sollen, stellt an Eltern hohe Anforderungen. Nicht einmal die imfenden Ärztinnen und Ärzte haben für eine fundierte Beratung und Entscheidungshilfe genügend verlässliche Informationen. Sie stehen zudem unter starkem Druck seitens der Impfkommision und der Standesvertreterinnen und Standesvertreter und sid einem Trommelfeuer von Impfstoffwerbung ausgesetzt. Sogar die ärztlichen Lehrveranstalungen zum Thema Impfungen sind regelmäßig von der Pharmaindustrie gesponsort.

Die Forschung
Die dazu gehörende Forschung wird fast ausschließlich von den Impfstoffherstellern finanziert und strebt den Wirksamkeitsnachweis von Impfstoffen an, ohne die Sicherheit und vor allem langfristige Nebenwirkungen ausreichend zu prüfen. Kommerzielle Forschungsergebnisse sind zudem oft manipuliert oder werden, wenn sie für das Produkt ungünstig ausfallen, unterschlagen.
Der Einfluss der Impfstoffhersteller reicht bis weit in nationale Zulassungsbehörden, Impfkommissionen und sogar in die Weltgesundheitsorganisation. Die meisten Mitglieder der deutschen Ständigen Impfkommission (STIKO) deklarieren gravierende Interessenkonflikte. Dies ist bei einem Gremium, das so wichtige und finanziell folgenreiche Empfehlungen herausgibt, nicht akzeptabel. Die Impf- kommission verfügt zudem weder personell noch finanziell über die notwendigen Mittel, um Impfmaßnahmen unabhängig und umfassend zu bewerten. Zulassungsstudien der Hersteller sind oft die einzige Entscheidungsgrundlage.
So hält nahezu jeder neu entwickelte Impfstoff über kurz oder lang Einzug in die offiziellen Empfehlungen, ohne dass Verträglichkeit, Nachhaltigkeit und Kosteneffizienz genügend geklärt sind: Ist es sinnvoll, diese oder jene Krankheit zu verhindern oder auszurotten? Was sind die Langzeitfolgen der Impfung, führt sie tatsächlich zu mehr Gesundheit? Welche Kosten kommen auf das Gesundheitswesen zu, und welchen Effekt könnte man mit diesen Geldern in anderen Bereichen der gesundheitlichen Vorsorge erzielen?
Seit Jahren sind die Impfstoffe die umsatzstärkste Arzneimittelgruppe. Die offiziellen Empfehlungen machen Impfstoffe zu profitablen Selbstläufern. Zudem sind die Impfstoffhersteller geschützt: Bei empfohlenen Impfungen übernimmt der Staat jede Haftung. Die Hersteller können sich sogar die Begleitstudien nach der Markteinführung sparen, denn hier werden sie von den Zulassungsbehörden entlastet (die solche Studien jedoch auch nicht durchführen). Ärztinnen und Ärzte sind zwar verpflichtet, bei Verdacht auf eine Impfkomplikation dem Gesundheitsamt Meldung zu erstatten, doch wird nur ein Bruchteil der tatsächlichen Ereignisse gemeldet.
Die Impfempfehlungen gelten als medizinischer Standard. Jeder Arzt und jede Ärztin muss darauf hinweisen und die entsprechenden Impfungen anbieten. Bei Abweichung begeben sie sich in eine juristische Gefahrenzone: Sie können haftbar gemacht werden für Krankheiten, die wegen unterlassener Impfungen auftreten - weshalb die meisten keine Alternativen zum offiziellen Impfplan anbieten. Und die gesetzlichen Krankenkassen erstatten eine Impfberatung nur, wenn anschließend auch geimpft wird. Die ärztliche Tätigkeit beruht jedoch nicht nur auf - scheinbar objektiver-Wissenschaft, sondern hat viel mit Interpretation, Erfahrung und Intuition zu tun. Viele Ärztinnen und Ärzte haben daher ihre eigene Meinung zu den Impfempfehlungen. Sie als Eltern werden immer einen Arzt oder eine Ärztin finden, der/die Sie in Bezug auf Impfungen nicht unter Druck setzt, Ihnen Alternativen aufzeigt und auf Ihr gut informiertes Einverständnis Wert legt.

Die Nebenwirkungen
Impfnebenwirkungen sind ein Tabu-Thema. Die Verantwortlichen haben eine enorme Angst vor der so genannten Impfmüdigkeit. Und doch kann jede Impfung harmlose, schwere und - zum Glück sehr selten - lebensbedrohliche Nebenwirkungen oder bleibende Impfschäden zur Folge haben.

Nebenwirkungen können betreffen:

  • die Impfstelle: Schwellung, Schmerz, Rötung, Abszess etc.,
  • das Immunsvstem: Fieber, allergische Reaktionen bis hin zum sehr seltenen lebensbedrohlichen allergischen Schock,
  • das Nervensystem: Schlafstörung. Wesensveränderunq, neurologische Aus-fälle, Krampfanfälle, Hirnentzündungen, Nervenentzündungen und -Schäden,
  • spezifische Organe, auf die der Impfstoff besonders einwirkt: Innenohr oder Bauchspeicheldrüse bei der Mumps-Impfung, die Gelenke bei der Röteln-Impfung.

Es gibt auch ernst zu nehmende Hinweise auf unerwünschte Langzeitfolgen durch Impfungen:

  • Nach einer großen kanadischen Studie haben siebenjährige Kinder ein um die Hälfte geringeres Asthmarisiko, wenn sie erst nach dem fünften Monat geimpft werden.27
  • In Entwicklungsländern wurde bei Säuglingen in den Monaten nach der Imp-fung eine erhöhte Sterblichkeit durch Infektionskrankheiten festgestellt.1 14
  • In den reichen Ländern des Nordens ist der plötzliche Kindstod umso häufiger, je mehr Impfstoffe im ersten Lebensjahr empfohlen sind.30
  • Diabetologinnen und Diabetologen vermuten, dass die dramatische Zunahme der Zuckerkrankheit im Kindesalter mit den vielen und frühen Impfungen zusammenhängt.11
  • Untersuchungen an menschlichen Nervenzellen und Tierversuche lassen befürchten, dass der Keuchhusten-Impfstoff und die in vielen Impfstoffen enthaltenen Aluminiumsalze die Reifung und Entwicklung von Nervenzellen stören können.35,34,43
  • In Frankreich wurde ein erhöhtes Risiko für Multiple Sklerose nach der früh-kindlichen Hepatitis-B-Impfung festgestellt.29
  • Forscherinnen und Forscher in den USA fanden einen statistisch signifkanten Zusammenhang zwischen Durchimpfungsraten und Autismushäufigkeit.9

Die Zunahme chronischer Krankheiten im Kindesalter könnte also unter ande-rem damit Zusammenhängen, dass immer früher und immer mehr geimpft wird. Große Studien, in denen Ungeimpfte mit Geimpften über längere Zeit verglichen werden, fehlen bislang. Es gibt keine verlässlichen Zahlen, mit denen man das Impfrisiko dem Risiko von Krankheiten und ihren Komplikationen gegenüberstellen kann. So bleibt viel Raum für Spekulation und Intuition. Das erklärt auch, warum sich im Impfbereich viele Fundamentalistinnen und Fundamentalisten tummeln.

Der Zeitplan
Bei der Impfentscheidung sollten Sie sich nicht unter Zeitdruck setzen lassen, sondern erst zu einer informierten Entscheidung kommen, in der "Salzburger Erklärung zur partizipativen Entscheidungsfindung" heißt es: "Wir rufen Patienten dazu auf, sich zu trauen, Bedenken und Fragen offen zu äußern und deutlich zu machen, was für sie wichtig ist; zu erkennen, dass sie ein Recht darauf haben, an ihrer Versorgung gleichberechtigt mitzuwirken".4
Jede Impfung ist auch zu einem späteren als dem empfohlenen Zeitpunkt durchführbar und wird dann in der Regel sogar besser vertragen: Die Belastung durch Impfzusatzstoffe wie Aluminium oder Formaldehyd ist wegen des größeren Körpergewichts nicht mehr so gravierend und sowohl das Immunsystem als auch das Nervensystem sind stabiler und weniger verletzlich. Ein späterer Impfbeginn ist eine durchaus vertretbare Alternative.
Zwischen den einzelnen Impfungen gibt es nur Minimalabstände, keine Maxi-malabstände: Jede Impfung gilt! Eine begonnene Impfserie muss nicht zwangs-läufig fortgesetzt werden. Wenn Sie Ihr Kind gegen mehrere Krankheiten impfen lassen wollen, ist es besser, Kombinationsimpfstoffe zu verwenden. Andernfalls sind zu viele Injektionen notwendig, die Ihr Kind mit Schmerzen und Zusatzstoffen belasten.
Neuere Wirksamkeitsstudien zeigen, dass in Deutschland zu oft geimpft wird.50'23 In Österreich wurde bereits auf die Grundimmunisierung mit nur drei Impfungen lim 3., 5. und 12. Monat) umgestellt, mit nur einer Auffrischung zwischen dem 6. und 9. Geburtstag.
Sie sollten Ihr Kind nur impfen lassen, wenn Sie es für stabil genug halten. Insbesondere sollte das Kind körperlich weitgehend gesund sein (Appetit, Energie und Stimmung normal) und keinem aktuellen Stress unterliegen [wie größere Reise oder Sportwettkampf am Impftag). Ein abklingender Luftwegsinfekt ist kein Impf- hindernis.
Für so genannte homöopathische Impfungen gibt es keinen Wirksamkeitsbeleg.

Die Impfungen im Einzelnen

Tetanus
Wunden, die mit Erde oder Tierkot verschmutzt sind, wie Schürf-, Biss- oder Stichwunden (auch mit unsauberem Spritzbesteck) und verschmutzte Verbrennungswunden oder in die Haut eingedrungene Fremdkörper, können zu Tetanus führen. Das Gift der Tetanusbakterien führt nach 1 bis 2 Wochen zu Muskelkrämpfen bis hin zu Muskelstarre und Atemstillstand. Die Behandlung besteht aus intensivmedizinischen Maßnahmen, die Sterblichkeit beträgt bei Kindern etwa 5%, bei alten Menschen liegt sie deutlich höher.
In Deutschland gibt es jährlich durchschnittlich zehn Fälle von Tetanus mit einem tödlichen Verlauf. Vorwiegend betrifft die Krankheit alte Menschen, denn Kinder haben einen besseren Impfschutz und bessere Wunddurchblutung. Nur 5% aller Tetanuspatienten sind unter 20 Jahre alt. Säuglinge sind im 1. Lebensjahr durch übertragene Antikörper geschützt (Nestschutz], wenn ihre Mutter während der Schwangerschaft einen ausreichenden Impfschutz hatte.
Ungeimpfte haben in modernen Industrieländern das geringe Risiko von 1:20.000 bis 1:50.000, irgendwann im Leben an Tetanus zu erkranken. In den Entwicklungsländern gehört Tetanus zu den häufigeren Todesursachen, mit geschätzten 200.000 Todesfällen pro Jahr.
Die Tetanus-Impfung schützt nahezu 100%ig. Der Impfstoff enthält den inaktivierten Giftstoff der Tetanusbakterien, das Tetanus-Toxoid. Die Verträglichkeit ist in der Regel gut. Ein empfehlenswerter Einzelimpfstoff ist Tetanol pur®, der den geringsten Gehalt an dem problematischen Hilfsstoff Aluminiumhydroxid aufweist. Es gibt auch eine Reihe von Kombinationsimpfstoffen (siehe S. 24). Da es den Diphtherie- und Keuchhustenimpfstoff nur in Kombination mit Tetanus gibt, muss die Ent-scheidung zu diesen Impfungen vor der ersten Tetanusimpfung getroffen werden.
Gelegentlich treten nach der Impfung Schwellungen, Rötungen und Schmerzen an der Impfstelle auf. Manche Kinder sind am Tag danach schlecht gelaunt, selten entwickelt sich am Impftag oder am Folgetag Fieber. Die Impfung kann Ekzeme auslösen oder verschlechtern und möglicherweise allergische Erkrankungen begünstigen. Das Risiko für bleibende neurologische Schäden wird mit 1:700.000 beziffert. Nur vereinzelt gibt es Berichte über schwere bis lebensbedrohliche allergische Sofortreaktionen.
Hier gibt es also ein günstiges Nutzen-Risiko-Verhältnis. Da im ersten Lebensjahr so gut wie kein Tetanusrisiko besteht, kann die Impfung problemlos auf den Beginn des Laufalters (um den ersten Geburtstag] verschoben werden. Die Impfung muss nach mindestens 4 Wochen wiederholt und nach 6 bis 12 Monaten aufgefrischt werden, das nächste Mal dann mit 10 Jahren. Danach sind größere Abstände ausreichend. Nach dem üblichen Impfschema [alle 10 Jahre) wird zu oft geimpft, was stärkere Beschwerden hervorrufen kann. Erwachsene sollten vor jeder Auffrischung prüfen lassen, ob noch ausreichend Antikörper vorhanden sind.
Wer die Tetanus-Impfung ablehnt, sollte Folgendes bedenken: Personen, die sich auf einem Bauernhof oder in Tierställen verletzen können, sind besonders gefährdet. Wunden mit Fremdkörpern oder abgestorbenem Gewebe [wie Quetschwunden) sowie infizierte Wunden und Verbrennungen bergen ein erhöhtes Tetanusrisiko. In solchen Fällen sollten Sie zumindest einen Tetanus-Passivschutz mit Tetagam® erwägen. Gute Wundreinigung mit Leitungswasser und bei Verschmutzung Desinfektion sind in jedem Fall zu empfehlen.

Diphtherie
Diphtherie war bis vor 100 Jahren eine der Haupttodesursachen bei Kindern: der "Würgeengel der Kinder". Sie kann als so genannter Diphtherie-Krupp zum Ersticken führen oder bei der toxischen Diphtherie zum Tod durch Flerzversagen. Trotz intensivmedizinischer Behandlung liegt die Sterblichkeit bei 5 bis 20%.
Wegen der ausgedehnten Impfprogramme ist die Diphtherie in Europa sehr selten geworden. Ein zusätzlicher Schutzfaktor ist auch der hohe Lebensstandard in der westlichen Welt. In Deutschland ist die Diphtherie praktisch verschwunden.
Der Diphtherie-Impfstoff richtet sich nicht gegen die Diphtheriebakterien selber, sondern gegen deren krankmachenden Giftstoff. Auch Geimpfte können also noch gesunde Keimträger sein, allerdings ohne ansteckend zu sein. Daher bietet die Impfung auch einen Flerdenschutz: Sind mehr als 80% einer Bevölkerung gegen Diphtherie geimpft, dann sind auch die Nichtgeimpften geschützt.
Durch Kontakt mit einem Diphtheriekranken etwa in einem außereuropäischen Urlaubsland (beispielsweise Thailand, Nepal, Ägypten, Brasilien, Dominikanische Republik) ist jedoch eine Ansteckung möglich. Bei der heutigen Reisefreudigkeit ist die Diphtherie-Impfung daher auch in Ländern sinnvoll, in denen die Krankheit derzeit nicht vorkommt.
Die Diphtherie-Impfung ist in der Regel gut verträglich. Häufig gibt es allerdings Beschwerden an der Impfstelle, vor allem bei der Auffrischungsimpfung von älteren Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Gelegentlich verschlechtert sich nach der Impfung ein Ekzem, selten gibt es allergische Reaktionen. Neurologische Impfschäden wie Lähmungen oder Hirnschäden sind sehr selten (1:700.000 bis 1 :1.000.000).
Ein Diphtherie-Einzelimpfstoff für Kinder ist nicht mehr auf dem Markt. Die Entscheidung zu dieser Impfung muss daher vor der ersten Tetanus-Impfung ge-troffen werden. Vorteil einer Kombinationsimpfung ist der niedrigere Aluminiumgehalt gegenüber dem Tetanus-Einzelimpfstoff Tetanol pur®. Zugelassene Diphtherie-Impfstoffe für Säuglinge und Kleinkinder sind der 3-fach- lmpfstoff Infanrix® (TD-Keuchhustenl, der 4,-fach-lmpfstoff Tetravac® sowie 5- und 6-fach-lmpfstoffe (siehe Anhang S. 24).
Wollen Sie zwar gegen Diphtherie, nicht aber gegen Keuchhusten impfen, müssen Sie auf die Impfstoffe mit verringerter Diphtherie-Komponente ("d") ausweichen: Td (Td-rix®) oderTd-Polio (Revaxis®).
Diese Impfstoffe wurden entwickelt, weil ältere Kinder die für Säuglinge not-wendigen hoch dosierten "D"-lmpfstoffe schlecht vertragen. Mit "d"-lmpfstoffen wurden bisher keine Studien mit Säuglingen und Kleinkindern veröffentlicht und die Hersteller haben auch keine Zulassung beantragt. Die fehlende Zulassung hat Konsequenzen für den unwahrscheinlichen Fall eines bleibenden Impfschadens: Der Staat übernimmt für Schäden durch nicht zugelassene Impfstoffe keine Haftung.
Viele Ärztinnen und Ärzte haben mit den "d"-lmpfstoffen bei Kleinkindern gute Erfahrungen gemacht. Sie sind gut verträglich und immunisieren ab dem 6. Lebensmonat ausreichend. Bei Impfbeginn vor dem 1. Geburtstag haben nach drei Impfungen etwa 10% der Kinder keine ausreichenden Diphtherie-Antikörperspiegel. Hier schützt die viermalige Impfung sicherer. Wollen Sie es trotzdem bei drei Impfungen belassen, sollten Sie nach der dritten Impfung sicherheitshalber die Antikörper gegen Diphtherie untersuchen lassen. Bei Impfbeginn nach dem 1. Geburtstag sind drei Impfungen ausreichend.
Bewährt hat sich die Kombination Diphtherie-Tetanus (vorzugsweise Td-rix® wegen dessen niedrigerem Alummiumgehalt] oder Diphtherie-Tetanus-Polio (Revaxis®) nach folgendem Schema:

  • Td plus Polio (Revaxis®)
  • nach 4 bis 8 Wochen: Td plus Polio (Revaxis®)
  • bei Impfbeginn vor dem 1. Geburtstag: nach weiteren 4 bis 8 Wochen einmal Td (Td-rix®)
  • nach 6 bis 12 Monaten: Td plus Polio (Revaxis®)

Polio
In großen Teilen der Welt (Europa, Nord- und Südamerika, Australien) ist die Kinderlähmung, unter anderem infolge der großen Schluckimpfprogramme, verschwunden. Die großen Epidemien der Nachkriegsjahre sind in Vergessenheit geraten. Auch für Ungeimpfte gibt es bei uns kein Erkrankungsrisiko mehr. Bei Stopp des Impfprogramms würden jedoch wahrscheinlich innerhalb weniger Jahre wieder Polio-Epidemien auftreten. Die Impfung hat also vor allem sozialen Charakter. Einen individuellen Schutz brauchen Reisende nach Indien und Nigeria oder deren Nachbarländer.
Polio ist heute keine Schluckimpfung mehr, sondern der Impfstoff wird gespritzt. Er kann ab dem 3. Lebensmonat verabreicht werden und ist gut verträglich. Es gibt ihn als Einzelimpfstoff oder in Kombinationsimpfstoffen. Der Einzelimpfstoff IPV-Merieux® muss zweimal im Abstand von mindestens 1 Monat und dann noch einmal nach 6 bis 12 Monaten gespritzt werden.
Zugelassene Kombinationsimpfstoffe, die ebenfalls nach diesem Schema verabreicht werden müssen, sind: Tetravac® (Tetanus, Diphtherie, Polio, Keuchhusten), Pentavac® oder Infanrix-Hib-IPV® (zusätzlich Hibl, Infanrix Hexa® (zusätzlich Hepatitis B).
Eine weitere Alternative ist das unter "Diphtherie"
angegebene Schema mit Revaxis® (Tetanus, Diphtherie, Polio; Zulassung nur für Auffrischungsimpfung ab dem Alter von 5 Jahren).

Keuchhusten
Keuchhusten (lateinisch Pertussis) ist eine durch Tröpfcheninfektion übertragene Hustenerkrankung vor allem des Kindes-, zunehmend aber auch des Erwachsenenalters. Er hinterlässt jahrzehntelange Immunität. Erreger ist das Bakterium Bordetella pertussis, das durch Anhusten übertragen wird. Nach einer Inkubationszeit von 2 bis 3 Wochen kommt es zu einem wochenlangen Husten, der im typischen Fall krampfartig wird und mit Würgen oder Erbrechen einhergehen kann. Auch nach überstandenem Keuchhusten können über längere Zeit noch Hustenfälle bei körperlicher Anstrengung auftreten.
Ansteckend ist der Keuchhusten in den ersten 3 Wochen. Wollen Eltern auf die empfohlene antibiotische Keimbeseitigung verzichten (die auf den Husten selber keinen Effekt hat), müssen sie für diese Zeit die Betreuung zu Hause sichern.
Keuchhusten ist langwierig, aber in der Regel komplikationslos. Er kann für alle Beteiligten sehr anstrengend sein, verläuft jedoch meist relativ mild, und oft wird die Diagnose spät oder gar nicht gestellt. Eine typische, aber seltene Komplikation ist die Lungenentzündung, die sich durch Fieber und Kurzatmigkeit bemerkbar macht. Kinder mit chronischen Atemwegserkrankungen, Herzfehlern und anderen schweren Grundleiden haben ein höheres Komplikationsrisiko.
Zu besonders schweren Verläufen kann es bei Säuglingen in den ersten L, Lebensmonaten kommen - vor allem, wenn die Kinder nicht gestillt werden. In diesem Alter gibt es sogar eine Sterblichkeit von 0,1% durch Atemstillstand, Lungenentzündung oder Gehirnerkrankung, die so genannte Keuchhusten-Enzephalopathie. Der Schutz der jungen Säuglinge steht daher im Fokus der Impfbemühungen.
Die Keuchhusten-Impfung ist ab dem 3. Lebensmonat empfohlen. Der Impfstoff ist nur kombiniert erhältlich: als 3-fach- (mit Diphtherie und Tetanus: Infanrix®], 4-fach- (mit DT und Polio: Tetravac®), 5-fach- (mit DT, Polio und Hib, wie Pentavac®) oder 6-fach-lmpfstoff (zusätzlich mit Hepatitis B: Infanrix Hexa®). Die Impfung muss im Abstand von 4 bis 6 Wochen und nach 6 bis 12 Monaten aufgefrischt werden. In manchen Ländern - auch Deutschland - sieht der Plan noch die viermalige Grundimpfung vor. Empfohlen sind Auffrischungsimpfungen für 5- bis 6-Jährige, 9- bis 17-Jährige und dann noch einmal im Erwachsenalter. Bei ungeimpften Jugendlichen und Erwachsenen reicht eine einzige Impfung. 50 bis 70% der Geimpften sind vor Keuchhusten geschützt, weitere 20 bis 25% nur vor schweren Verläufen. Innerhalb von 3 bis 7 Jahren nach der Impfung geht der Schutz verloren.
Die gefährdeten jungen Säuglinge können durch die Impfung nicht vor Keuchhusten geschützt werden, da der Impfschutz erst nach der zweiten Impfung greift. Die Impfung macht jedoch schwere Krankheitsverläufe und Klinikaufenthalte seltener. Ist eine Ansteckung bekannt, kann der Krankheitsausbruch bei Ungeimpften auch durch die rechtzeitige Gabe eines Antibiotikums verhindert werden.
Wegen der kurzen und unbefriedigenden Wirkung der Impfung ist die Ausrottung des Keuchhustens illusorisch, die Impfung verschiebt lediglich den Erkrankungszeitpunkt. Vor allem bei älteren Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen haben die Keuchhustenfälle stark zugenommen. Die jungen Säuglinge werden heute eher von ihren Ettern angesteckt als von den Geschwistern.
Sinnvoll erscheint daher die seit einigen Jahren empfohlene Impfung der Eltern mit der Geburt ihres ersten Kindes. Die Kokon-Strategie, also die Impfung der Kontaktpersonen junger Säuglinge, hat jedoch bisher keine deutlichen Erfolge gezeigt. Die Wirksamkeit des Impfstoffs ist wohl nicht ausreichend, andererseits können auch Geimpfte den Keuchhusten übertragen, ohne selbst krank zu sein.
Der Keuchhusten-Impfstoff gehört zu den weniger gut verträglichen. An Nebenwirkungen findet man bei etwa jedem 10. Säugling Beschwerden an der Impfstelle, Fieber, Verhaltensveränderungen, Erbrechen oder Durchfall. An ernsteren Nebenwirkungen kommen selten Krampfanfälle, Unruhe, ungewöhnliches stundenlanges Schreien, Apathie und sehr selten auch Lähmungen oder Hirnschäden vor. Durch die Aufeinanderfolge von Impfung und Krankheit steigt das Risiko, an Asthma bronchiale zu erkranken.26 Tierversuche weisen darauf hin, dass die Keuchhusten-Impfung die neurologische Entwicklung und die Balance des Immunsystems stören kann.35
Wenn Sie sich für diese Impfung entscheiden, müssen Sie Ihren Arzt/Ihre Ärztin vor dem ersten Tetanus-Impftermin darauf aufmerksam machen. Wollen Sie Ihr Kind nicht impfen lassen, nehmen Sie das Risiko in Kauf, dass es vielleicht schon in den ersten Lebensjahren einen Keuchhusten durchmacht.

Hämophilus influenzae B (Hib)
Seit 1990 ist die Impfung gegen Hämophilus-influenzae-B-Bakterien empfohlen. Dieser Erreger ist für einen Teil der bakteriellen Hirnhautentzündungen verantwortlich, außerdem kann er gefährliche Kehldeckel-Entzündungen (Epiglottitis) und Blutvergiftungen (Sepsis] hervorrufen. Hib-Bakterien kommen auch bei Gesunden im Mundrachenraum vor und werden durch Tröpfchen übertragen.
Erste Symptome einer Hirnhautentzündung sind Fieber, Erbrechen, Kopschmer- zen und Nackensteifigkeit - Kranke können das Knie nicht mehr zu Nase oder Mund führen (Kniekuss). Zeichen der Kehlkopfentzündung sind Fieber und stärkste Halsschmerzen mit Atemnot, jedoch ohne Husten.
Etwa jede zweite Hib-Erkrankung ereignet sich im 1. Lebensjahr. Nach dem 5. Lebensjahr tritt die Erkrankung äußerst selten auf. Die Sterblichkeit schwerer Hib-Infektionen beträgt etwa 3%, die Rate neurologischer Schäden - vor allem Hörschäden - liegt bei bis zu 7%. 90% der Erkrankten werden durch die antibiotische Behandlung in einem Krankenhaus wieder völlig gesund. Kinder, die in den ersten Lebensmonaten Muttermilch bekommen und deren Eltern nicht rauchen, haben ein sehr geringes Erkrankungsrisiko.51 45
Die Hib-Impfung gibt es als Einzelimpfstoff oder kombiniert in den 5-fach- und 6-fach-lmpfstoffen. Die Impfung muss nach 4 bis 8 Wochen und nach 6 bis 12 Monaten wiederholt werden. Bei Erstimpfung nach dem 12. Lebensmonat genügt eine einmalige Dosis des Einzelimpfstoffs.
Die Impfung ist gut wirksam, die Zahl der Hib-Erkrankungen ist seit ihrer Einführung stark rückläufig: Bis 1989 gab es in Deutschland jährlich 1000 bis 1500 Krankheitsfälle, heute sind es nur 10 bis 20 Fälle pro Jahr.
Da Geimpfte die Krankheit nicht mehr übertragen können, ist durch die so genannte Herdenimmunität das Erkrankungsrisiko auch für die Ungeimpften deutlich geringer geworden und liegt weit unter 1:100.000. Die Impfung kann daher ohne großes Risiko aufgeschoben werden: Ab dem 1. Geburtstag wäre eine einmalige Impfung ausreichend, was das Risiko von Nebenwirkungen verringert.
Besonders bei Frühgeborenen und bei nicht gestillten Raucherkindern sollte die Hib-Impfung in Betracht gezogen werden.
Die Hib-Impfung kann in sehr seltenen Fällen zu Gelenkentzündungen, Blutungen durch Zerstörung von Blutplättchen (Thrombozytopenie) und neurologischen Störungen wie Lähmungen oder Krampfanfällen führen. Die dramatische Zunahme der Zuckerkrankheit bei Kindern wird in einigen Untersuchungen in Zusammenhang mit der Einführung der Flib-Impfung gebracht.55-5 Diesen Ergebnissen wurde in anderen Studien widersprochen. Die Zunahme von Asthma könnte teilweise mit der Einführung der Flib-Impfung zusammenzuhängen.1

Hepatitis B
Die Flepatitis B ist eine durch Viren ausgelöste Entzündung der Leber, die wie FHIV durch Blut oder Genitalsekret von infizierten Personen übertragen wird. Ein weiterer wichtiger Übertragungsweg ist die Geburt, bei der Viren von der Mutter auf das Neugeborene übertreten können.
Ein besonderes Risiko haben im Gesundheitswesen Tätige, Dialysepatienten, Sexualpartner von Erkrankten [Flomosexualität, Promiskuität] und Drogenabhängige. Kinder haben nur dann ein etwas erhöhtes Infektionsrisiko, wenn die Eltern Virusträger sind. Schwangere werden routinemäßig auf Flepatitis B untersucht, bei positivem Befund werden ihre Neugeborenen geimpft. In Krippen oder Kindergärten besteht keine relevante Ansteckungsgefahr.
In Deutschland erkranken jedes Jahr einige Tausend Personen an Flepatitis B. Weniger als 1% davon sind jünger als 15 Jahre. Einer von 1000 Infizierten entwickelt eine Leberzirrhose, ein akutes Leberausfallkoma oder - vor allem in Entwicklungsländern - Leberkrebs. Mindestens 5% der Infizierten bleiben ihr Leben lang Virusträgerund können andere anstecken.
Zunächst wardie Hepatitis-B-Impfung nur für besondere Risikogruppen emfohlen (Indikationsimpfung). Die Weltgesundheitsorganisation forderte jedoch, auch in Ländern wie Deutschland mit geringem Ansteckungsrisiko die Routineimpfung einzuführen. So ist seit 1995 auch in Deutschland die Hepatitis-B-Impfung für alle Säuglinge und für Jugendliche bis zum Alter von 18 Jahren öffentlich empfohlen.
Die Impfung ist zunächst gut wirksam: Werden Impfantikörper in ausreichender Höhe gebildet, ist ein Schutz für viele Jahre anzunehmen und eine chronische Erkrankung ist unwahrscheinlich. Die Dauer des Schutzes ist jedoch unklar. In Entwicklungsländern verlieren viele Säuglinge bis zum Teenager-Alter ihre schützenden Impfantikörper wieder.56'37 Nicht selten gibt es auch Impfversager, die von vorneherein keine Antikörper entwickeln. So wird inzwischen auch bei uns eine Auffrischungsimpfung für Teenager diskutiert.
Im Zusammenhang mit der Hepatitis-B-Impfung werden allergische Reaktionen berichtet wie Ekzem und Nesselsucht, sehr selten auch allergische Schocks. Meldungen gibt es außerdem zu rheumatischen Erkrankungen und neurologischen Störungen vorübergehender oder anhaltender Art wie Lähmungen, Seh-nerventzündungen oder Kopfschmerzen. Eine US-amerikanische Studie zeigt, dass sich durch die Hepatitis-B-Impfung das Risiko für Multiple Sklerose etwa verdreifacht. Auch für Kinder besteht nach der Impfung ein messbar erhöhtes Multiple-Sklerose-Risiko.18'29
Über einen Impfschutz nach der Pubertät (Risiken: ungeschützter Geschlechts-verkehr, Konsum intravenöser Drogen] können Sie mit Ihrem Kind zu gegebener Zeit diskutieren. Es gilt dabei, das Risiko der Erkrankung gegen die Impfneben- wirkungen abzuwägen. Hier ist Fingerspitzengefühl gefragt. Unerlässlich ist eine Barrieremethode beim Geschlechtsverkehr. Bei einer stabilen Partnerschaft kann das Hepatitis-B-Risiko durch eine Antikörper-Untersuchung bei beiden Partnern ausgeschlossen werden.
Da immer wieder Todesfälle nach 6-fach-lmpfungen gemeldet werden, ist bei Impfwunsch die Hepatitis-B-Impfung als Einzelimpfung wahrscheinlich weniger riskant. Soll ein sicherer Schutz erzielt werden, empfiehlt sich frühestens 4 Wochen nach der dritten Dosis eine Antikörperkontrolle und bei zu niedrigem Titer eine zusätzliche Impfung.

Pneumokokken
Die Impfung gegen Pneumokokken ist für alle Kinder ab dem 3. Lebensmonat empfohlen. Pneumokokken kommen bei den meisten Menschen als harmlose Bewohner des Nasen-Rachen-Raums vor, können aber auch Mittelohreiterungen, Lungenentzündungen und in seltenen Fällen schwere Erkrankungen wie Meningitis oder Blutvergiftung hervorrufen.
Jedes Jahr gibt es viele Todesfälle, vor allem unter alten Menschen. Im Kindesalter kommt es in Deutschland zu jährlich etwa 150 Fällen von Pneumokokken- Meningitis. Die Sterblichkeit dieser Krankheit liegt bei bis zu 10%. Ein erhöhtes Risiko haben Kinder in den ersten beiden Lebensjahren, Menschen mit chronischen Krankheiten, Frühgeborene, Menschen ohne Milz und Raucherkinder, die nie gestilltwurden. Kinder, die in den ersten Lebensmonaten Muttermilch bekamen und deren Eltern nicht rauchen, erkranken nur sehr selten.49'25
Die zwei verfügbaren Impfstoffe enthalten die häufigsten 10 (Synflorix®) bezie-hungsweise 13 (Prevenar 13®) der über 90 bekannten Pneumokokkentypen - und zudem Aluminiumhydroxid: Synflorix® mit 0,5 mg viermal soviel wie Prevenar 13®. Die STIKO empfiehlt vier Impfungen im Alter von 2, 3, 4 und 12 Monaten. Möglich ist auch ein Schema mit drei Impfungen (zum Beispiel 2, 4 und 12 Monate), wie es in der Schweiz empfohlen ist.
Die Wirksamkeit hängt von den Erregertypen ab, die in der Umgebung Vorkommen, und ist daher von Region zu Region sehr unterschiedlich. Für Mitteleuropa steht ein sicherer Wirksamkeitsnachweis bisher aus. In Ländern, in denen die Impfung schon länger breit angewendet wird, zeigt sich, dass sie zwar einen Rückgang der Erkrankungszahlen bewirkt, die Pneumokokken und dadurch verursachte Krankheiten aber nicht auszurotten sind: Statt der im Impfstoff berücksichtigten Stämme werden die kindlichen Schleimhäute nach und nach von anderen Pneumokokkenstämmen ("serotype replacement") oder vermehrt von anderen potenziell krankmachenden Bakterien wie Staphylokokken besiedelt.2-52 Ob das Impfprogramm letztendlich zu mehr Gesundheit führt, ist daher fraglich.
Häufige Nebenwirkungen der Impfung sind Fieber, Reizbarkeit, Appetitlosigkeit, Schlafstörungen und Beschwerden an der Impfstelle. Sehr selten kommt es zu gravierenden Komplikationen wie Krampfanfällen, Atemstillstand oder allergischem Schock. Auffallend sind Meldungen von Todesfällen, besonders wenn gleichzeitig die 6-fach-lmpfung verabreicht wurde.

Meningokokken
Meningokokken sind ähnlich wie Hib oder Pneumokokken Erreger, die zu einer lebensbedrohlichen bakteriellen Hirnhautentzündung oder Blutvergiftung (Sepsis) führen können. Die Sterblichkeit dieser schweren Erkrankungen liegt auch bei sofortiger intensiver Behandlung bei bis zu 10%. Ein Teil der Überlebenden behält Langzeitschäden. In Deutschland kommt es jährlich zu einigen hundert Erkrankungen und zig Todesfällen. Jeder zweite Fall betrifft die ersten 2 Lebensjahre oder Jugendliche zwischen 15 und 18 Jahren.
In Deutschland werden 80% der Erkrankungen durch Meningokokken der Gruppe B hervorgerufen, gegen die es keinen Impfstoff gibt. Die Gruppe C spielt bei uns eine untergeordnete Rolle - bei Kindern kam es in den vergangenen Jahren nur vereinzelt zu Todesfällen. C-Meningokokken sind jedoch in Großbritannien, Spanien, Portugal, Irland, Belgien und den Niederlanden häufig.
Seit 2006 ist die einmalige Impfung gegen Meningokokken C für alle Kinder ab dem 1. Geburtstag empfohlen. Man erhoffte sich eine Reduzierung der Krankheitsund Todesfälle. Leider hat sich inzwischen gezeigt, dass bei Kleinkindern 1 bis 2 Jahre nach der Impfung kaum noch schützende Antikörper nachzuweisen sind.46'47
Eine Impfwirksamkeit wurde bisher nur für Länder wie Großbritannien oder Spanien belegt, in denen der Anteil an Meningokokken C sehr hoch ist. Für Deutschland gibt es bis heute keinen Beleg für einen Erfolg. Der in den letzten Jahren registrierte Rückgang der Meningokokken-Erkrankungen betrifft alle Erregergruppen gleichermaßen und hatte sich auch schon vor Einführung der Impfung abgezeichnet.
Zu den eher häufigen Nebenwirkungen zählen Lokalreaktionen, fieberhafte Allgemeinreaktionen und Reizbarkeit. Selten sind allergische Reaktionen, Krampfanfälle, Enzephalitis und Lähmungserkrankungen.

Masern
Die Masern sind eine hochfieberhafte, sehr ansteckende Viruskrankheit. Sie hinterlassen eine lebenslange Immunität.
Im Kindesalter ist der Verlauf in der Regel gutartig, bei Säuglingen und Erwachsenen können Masern jedoch bedrohlich werden. Typische Komplikationen sind Lungenentzündung, Krupp oder Mittelohrentzündung. Die gefürchtete Gehirnentzündung (Masernenzephalitis) mit möglichen Folgeschäden ist bei Klein- und Vorschulkindern sehr selten (zirka 1:15.000]. Das Risiko steigt im Schulalter auf etwa 1:5000 und im Erwachsenenalter auf etwa 1:2500. In Einzelfällen kommt es bei Masern zu Komplikationen mit Todesfolge durch eine Lungenentzündung, durch eine Enzephalitis oder nach Jahren durch die Späterkrankung SSPE (subakute sklerosierende Panenzephalitis].
Masern senken auf der anderen Seite das Risiko von Krebs, allergischen Erkrankungen und Autoimmunerkrankungen wie Multiple Sklerose im späteren Leben.22',7,3U0 Die Krankheit hat offenbar einen Lerneffekt für das Immunsystem. Es hätte also auch gewisse Vorteile, im Kindesalter die Masern durchzumachen. Allerdings ist heute die Wahrscheinlichkeit, in der Kindheit Masern zu bekommen, wegen der hohen Durchimpfungsrate sehr gering.
Empfohlener Impfbeginn ist der 1. Geburtstag, bei erhöhter Ansteckungsgefahr auch schon der 10. Monat. Die Impfung ist auch noch in den 3 Tagen nach einer Ansteckung wirksam. Nach einer einmaligen Masernimpfung sind noch bis zu 10% der Impflinge nicht ausreichend geschützt, sodass im Abstand von mindestens 4 Wochen eine zweite Impfung angeraten ist, die den Impfschutz zuverlässiger macht. Der Schutz ist allerdings auch dann nicht 100%ig und wird mit der Zeit unsicherer, weil das Impfgedächtnis heute nicht mehr durch den Kontakt mit dem Wildvirus aufgefrischt wird und die Antikörperspiegel allmählich sinken.28'53 Aus diesem Grund vermitteln heute auch Schwangere ihrem Kind für das 1. Lebensjahr keinen zuverlässigen Nestschutz mehr.
Erwachsene und Säuglinge können daher heute an Masern erkranken - und zwar besonders schwer. Unter diesen Umständen ist die Krankheit der Gesellschaft nicht mehr zuzumuten. Kinder sollten spätestens mit dem Eintritt in den
Kindergarten geimpft sein. Auch die Geburt eines Geschwisters sollte Anlass für die Impfung sein, um die Ansteckung des Säuglings zu verhindern.
Wollen Eltern ihre Kinder nicht gegen Masern impfen, sollten sie ihren eigenen Masernschutz durch eine Blutuntersuchung überprüfen und sich gegebenenfalls impfen lassen. Und sie müssen bereit sein, ihr Kind durch eine heftige und hochfieberhafte Erkrankung zu begleiten.
Der Masernimpfstoff enthält aktive, aber abgeschwächte Lebendviren. Die Impfung kann daher zu denselben Komplikationen führen wie eine Masernerkrankung, nur wesentlich seltener. Häufig kommt es zu Fieber oder Impfmasern (leicht verlaufende Masernerkrankung) 5 bis 12 Tage nach der Impfung. Gelegentlich kommt es zu einem dramatischen, aber harmlosen Fieberkrampf. Seltener sind schwerere Nebenwirkungen wie allergischer Schock, Blutgerinnungsstörungen und neurologische Komplikationen.
Die 3-fach-lmpfstoffe gegen Masern, Mumps und Röteln sind nur ungenügend auf ihre Sicherheit untersucht. Eine mögliche Alternative ist der Einzelimpfstoff Merieux®. Vor der Pubertät kann dann der Mumps- und/oder Rötelnschutz mit der MMR-Impfung (wie Priorix®) oder Röteln-Impfung nachgeholt werden.

Mumps
Mumps ist eine Entzündung der Speicheldrüsen: Die Region vor den Ohren (oft auch einseitig) ist über einige Tage geschwollen und schmerzhaft, beispielsweise beim Kauen. Meist tritt auch Fieber auf. Die Krankheit verläuft nahezu immer harmlos. Selten kommt es zu einer gutartigen Hirnhautentzündung, sehr selten zu einem Innenohrschaden, der allerdings auch nach der Impfung Vorkommen kann. Als Argument für die Impfung wird oft die Hodenentzündung angeführt. Diese Komplikation tritt jedoch nur bei geschlechtsreifen Männern auf. Eine beidseitige Hodenentzündung mit Unfruchtbarkeit ist extrem selten.
Mumps gehört zu den Krankheiten, für die ein Schutzeffekt vor Krebs im späteren Leben belegt ist. Für Frauen, die Mumps durchgemacht haben, sinkt das Risiko von Eierstockkrebs um 20% - das wären in Deutschland bis zu 1000 Krebstodesfälle pro Jahr weniger, wenn alle Mädchen Mumps durchmachen würden.6 Die Impfung bietet diesen Schutz nicht.
Dennoch empfiehlt die STIKO diese Impfung ab dem 1. Geburtstag. Den Impfstoff gibt es nur noch in Kombination mit dem Masern- und Röteln-Impfstoff (wie Priorix®) oder zusätzlich mit dem Windpocken-Impfstoff (wie Priorix Tetra®).
Wollen Sie bei Ihrem Kind vorläufig auf die Mumps-Impfung verzichten, um ihm Gelegenheit zur natürlichen Durchseuchung zu geben, können Sie es zunächst gegen Masern impfen und vor Eintritt der Pubertät die zweimalige MMR-Impfung durchführen lassen. Das hat den Vorteil, dass der Impfschutz gegen Mumps und auch gegen Masern und Röteln zuverlässiger und länger ins Erwachsenenalter hinein wirkt. Nach der Mumps-Impfung in der Kindheit gibt es nämlich relativ viele Impfversager, was immer wieder zu Mumpsausbrüchen gerade unter jungen Erwachsenen führt. Für Mädchen ist es wahrscheinlich besser, nicht zu impfen und ihnen damit die Chance zu einer Mumpserkrankung und dem damit verbundenen Schutz vor Krebs zu wahren. Mögliche Nebenwirkungen der Mumps-Impfung sind: Reaktion an der Impfstel-le, Impf-Mumps bis hin zu Hirnhautentzündung oder Innenohrschwerhörigkeit, allergische Reaktionen und sehr selten Entwicklung eines Diabetes.

Röteln
Die Röteln sind eine harmlose Kinderkrankheit. In der Frühschwangerschaft können sie jedoch zur Fruchtschädigung mit schweren Fehlbildungen führen, zur so genannten Röteln-Embryopathie.
Eine Rötelnerkrankung in der Kindheit vermittelt einen lebenslangen Schutz auch während einer Schwangerschaft. Die Chance Röteln zu bekommen ist jedoch heute gering, weil die meisten Kinder geimpft sind. Flintergrund der Impfempfeh- lung ab dem 2. Lebensjahr ist die Absicht, die Röteln auszurotten und dadurch Schwangere vor einer Rötelninfektion zu schützen.
Die zweimalige Impfung schützt zwar zunächst nahezu I00%ig, nach 12 Jahren haben jedoch schon über 10% der Geimpften ihre Röteln-Antikörper verloren.24 Wegen des allmählich nachlassenden Impfschutzes ist die Immunität im gebär-fähigen Alter sicherer, wenn erst später, beispielsweise während der Pubertät, geimpft wird.
Gegen Röteln gibt es einen Einzelimpfstoff und auch Kombinationsimpfstoffe (MMR, MMRV], Eine vorherige Blutuntersuchung auf Röteln-Antikörper erübrigt sich, da die Krankheit sehr selten geworden ist. Relativ häufige Nebenwirkungen sind Gelenkschmerzen, selten kommt es zu Nervenschädigungen oder Blutungserkrankungen und sehr selten zu chronisch-rheumatischen Erkrankungen.

Windpocken
In der Kindheit heilen die Windpocken nahezu immer folgenlos ab und sind nur problematisch bei Immunschwächekrankheiten oder Chemotherapie. Das Durch-machen der Windpocken vermittelt lebenslange Immunität und bietet einen gewissen Schutz vor Hirntumoren, dem Ausbruch von allergischen Krankheiten und Diabetes.13'15'57'44 Im Erwachsenenalter dagegen gehen die Windpocken häufig mit ernsten Komplikationen wie Lungenentzündung einher. Besonders gefährlich sind Windpocken für nicht immune Schwangere und ihr Kind, wenn die Ansteckung kurz vor der Geburt erfolgt.
Seit 2004 ist die Windpocken-Impfung für alle 2-Jährigen empfohlen. Die Krankheit wird durch die unzuverlässig wirkende Impfung jedoch möglicherweise in ein Alter verschoben, in dem Komplikationen häufiger sind. Es ist auch zu befürchten, dass langfristig die Erkrankungen an Gürtelrose zunehmen - Folge des seltener werdenden Kontakts von Erwachsenen mit Windpocken.32
Die Impfung führt gelegentlich zu Impf-Windpocken und sehr seltenen zu schweren Nebenwirkungen, etwa zu einem allergischen Schock oder neurologischen Komplikationen.
Viele Kinderärztinnen und -ärzte stehen der Impfung von Kindern kritisch ge-genüber. Jugendliche und Erwachsene, die keine Windpocken-Immunität haben, sollten sich jedoch impfen lassen. Empfehlenswert ist ein vorheriger Antikörper- Test, da Windpocken in derfrühen Kindheit unbemerkt verlaufen können. Die Impfung muss zweimal im Abstand von mindestens 4 Wochen erfolgen.

Humanes Papilloma Virus (HPV)
Diese Impfung wird in der Werbung als erste "Impfung gegen Krebs" dargestellt. Die beiden Impfstoffe Gardasil® und Cervarix® richten sich gegen 2 von mehr als 20 verschiedenen HPV-Virustypen, die Mitverursacher von Gebärmutterhalskrebs sein können. Dieser Krebs ist der zehnthäufigste Krebs bei Frauen.
Die Impfung soll vor dem ersten Sexualkontakt durchgeführt werden, da dieser oft schon zur Erstinfektion mit HPV führt. In Deutschland ist die FIPV-lmpfung für alle 12- bis 17-jährigen Mädchen empfohlen.
Die bisher veröffentlichten Studien dazu sind jedoch niederschmetternd: Die Zahl der Krebsvorstufen war bei Geimpften und in der Placebo-Gruppe gleich. Es zeichnete sich außerdem ab, dass die weg-geimpften HPV durch andere Virentypen abgelöst werden, die nicht im Impfstoff berücksichtigt sind. Somit ist auch fraglich, ob der Impfstoff langfristig eine Wirkung hat.3-8
Die HPV-lmpfung hat zahlreiche Nebenwirkungen, darunter sehr selten auch schwere Impfreaktionen: neurologische und autoimmune Erkrankungen sowie Störungen der Blutgerinnung.16'12,48 In Europa und den USA sind Todesfälle bei bis zur Impfung völlig gesunden Mädchen und jungen Frauen gemeldet geworden. Die HPV-lmpfung ist teuer und im Grunde entbehrlich: Wer regelmäßig zur Krebsfrüherkennung geht, braucht sie nicht, und wer sich impfen lässt, sollte trotzdem die Früherkennung in Anspruch nehmen. Die hohen Kosten der Impfung ziehen angesichts der begrenzten Ressourcen im Gesundheitsbereich Mittelaus anderen Bereichen ab. Würde man das Geld in Aufklärung [wie Anti-Rauchen- Kampagnen) und Früherkennung investieren, könnte man 90 bis 95% aller Fälle von Gebärmutterhalskrebs verhindern.39

Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME)
Die FSME (Meningoenzephalitis] ist eine schwere neurologische Erkrankung durch Viren, die von Zecken übertragen werden. Infektiöse Zecken kommen nur in begrenzten geografischen Gebieten, so genannten Naturherden, vor. Auch in Hochrisikogebieten ist bei höchstens jeder hundertsten Zecke das FSME-Virus nachzuweisen. In Deutschland werden jährlich 200 bis 300 Fälle von FSME gemeldet, nur 2005 und 2006 waren es deutlich mehr.
Hauptverbreitungsgebiet der FSME in Europa sind Russland, die baltischen Länder, Südostschweden, Ungarn, Slowenien, Tschechien, die Slowakei und Ostösterreich (Burgenland, Kärnten, Niederösterreich). In Deutschland gibt es FSME- Naturherde mit wenigen Ausnahmen nur in Baden-Württemberg und Bayern.* Einzelfälle von FSME wurden im hessischen Odenwald, in Rheinland-Pfalz (Landkreis Birkenfeld) und an der Saale in Thüringen registriert.
Die Inkubationszeit der FSME beträgt 7 bis 14, im Extremfall 3 bis 28 Tage. Die Mehrzahl der Infektionen verläuft ohne Beschwerden, aber mit lebenslang nach-weisbaren Antikörpern. Bei bis zu 30% der Infizierten kommt es zu einer Art Som-mergrippe mit Fieber, Glieder- und Kopfschmerzen und Erkältungssymptomen. Auch diese Fälle gehen in die Statistik als FSME-Erkrankung ein, wenn sie durch eine Laboruntersuchung gesichert sind.
* Kreise mit besonders hohem Risiko (mehr als 1 Meldung auf 50.000 Einwohner pro Jahrl sind in Baden-Württemberg: die Landkreise Bodensee, Calw, Emmendingen, Enzkreis, Freudenstadt, Konstanz, Rottweil, Waldshut, Zollernalb sowie der Stadtkreis Pforzheim. Ein Gebiet mit besonders häufigem FSME-Vorkommen ist das Dreisamtal bei Freiburg mit jährlich etwa 15 Erkrankungsfällen unter 21.000 Einwohnern. Nach den seit 2007 gültigen Kriterien wird Baden-Württemberg vollständig zum Risikogebiet erklärt, obwohl in den übrigen Landkreisen die Gefahr einer FSME-Erkrankung verschwindend gering ist.
in Bayern: die Landkreise Altötting, Amberg-Sulzbach, Ansbach, Bayreuth, Deggendorf, Forchheim, Freyung-Grafenau, Fürth, Kronach, Kulmbach, Main-Spessart, Miltenberg, Mühldorf am Inn, Passau, Regensburg, Rottal-Inn, Schwandorf, Traunstein, Weißenburg-Gunzenhausen sowie die Stadtkreise Arnberg und Schwabach.
Etwa 5% Prozent der Infizierten erkranken an einer gutartigen Hirnhautentzündung, weitere 5% an einer Meningoenzephalitis mit Bewusstlosigkeit, Krampfanfällen und Lähmungen. Nur bei dieser Verlaufsform ist mit Folgeschäden wie Konzentrationsstörungen, Kopfschmerzen und selten auch Lähmungen zu rechnen. Todesfälle sind äußerst selten. Nach einem Zeckenbiss in Naturherden liegt das Risiko für bleibende Schäden durch eine FSME bei 1:15.000 bis 1:150.000, das Risiko eines tödlichen Verlaufs zwischen 1:100.000 und 1:1.000.000.
Das Risiko für schwere FSME-Verläufe steigt mit dem Alter und ist am höchsten bei über-50-jährigen Bewohnern von Naturherden. Auch viele schwere FSME- Erkrankungen heilen völlig aus. Bei Kindern und Jugendlichen verläuft die FSME nahezu ausnahmslos gutartig. Eine spezifische Behandlung der FSME gibt es nicht.
Die STIKO empfiehlt die FSME-Impfung für alle Erwachsenen und für Kinder ab 6 Jahren, die in einem FSME-Gebiet wohnen oder sich zeitweise dort aufhalten. Für Kinder gibt es die Impfstoffe FSME-Immun 0,25 ml Junior® und Encepur® Kinder, für Erwachsene FSME-Immun Erwachsene® und Encepur Erwachsene®. Wegen des niedrigeren Aluminiumgehalts sind die FSME-Immun-Impfstoffe besserverträglich. Für eine rasche Immunität eignen sich zwei Impfungen im Abstand von 2 Wochen und eine dritte nach 1 Jahr.
FSME-Impfstoffe fallen auf durch häufige Meldungen von Nebenwirkungen, darunter auch schwere neurologische Erkrankungen wie Lähmungen, Ertaubung oder multiple Sklerose. Etwa ein Drittel der Meldungen betrifft Kinder, unter anderem wegen Krampfanfällen, Koordinationsstörungen, Nervenlähmungen, Meningitis und Enzephalitis. Dem Paul-Ehrlich-Institut wurden von 2001 bis 2010 10 Todesfälle nach FSME-Impfungen gemeldet.
Da es keine Langzeitstudie gibt, in der die Komplikationen nach FSME-Impfung mit Komplikationen durch FSME-Erkrankungen bei Ungeimpften verglichen werden, muss die Impfentscheidung intuitiv gefällt werden. Die Impfung ist vor aLlem für erwachsene Bewohner von Flochrisikogebieten zu erwägen, besonders für Gärtner, Förster, Waldarbeiter und Landwirte. Auffrischungsimpfungen sind bei Personen über 50 Jahre alle 3 Jahre zu empfehlen, bei Unter-50-Jährigen höchstens alle 5 Jahre.

Rotavirus
Rotaviren sind die häufigsten Erreger einer Durchfallerkrankung. Die Krankheit ist lästig, aber harmlos und macht nur in seltenen Fällen eine Infusionstherapie notwendig. Die Rotaviren werden bis zu 14 Tage über den Stuhl ausgeschieden. Da sie sehr resistent sind, sind sie schwer aufzuhalten. Wiederholte Erkrankungen führen jedoch allmählich zur Resistenz.
Es gibt 7 Virus-Gruppen und zahlreiche Untergruppen.
Auf dem Markt sind zwei Schluckimpfstoffe: Rotarix® (gegen 4 Virusgruppen] und RotaTeq® (gegen 5 Gruppen). Rotarix® muss zweimal im Abstand von 2 Monaten, RotaTeq®dreimal im Abstand von jeweils 1 Monat verabreicht werden. Frühester Impftermin ist das Alter von 7 Wochen.
Im ersten Jahr nach der Impfung wird die Häufigkeit schwerer Durchfallerkrankungen um fast die Hälfte reduziert. Die Langzeitwirkung ist jedoch unsicher. Wahrscheinlich wird die am schwersten verlaufende Erstinfektion einfach nurver- schoben. Deshalb und wegen der hohen Kosten gibt es bisher keine allgemeine Impfempfehlung.
Häufige Nebenwirkungen der Impfung sind Appetitverlust, Durchfall, Erbrechen, Blähungen, Bauchschmerzen und Fieber. Bei der Durchimpfung aller Säuglinge würden in Deutschland bis zu 17.000 solcher Nebenwirkungen pro Jahr anfallen. Sehr selten kommt es zu Krampfanfällen, Invaginationen (Darmeinstülpung), Lungenentzündungen und zurschweren Blutgefäfierkrankung Kawasaki-Syndrom.33'7 Säuglinge mit angeborener Immunschwäche können durch die Impfung lebensgefährliche Durchfälle entwickeln. Beide Rotavirus-Impfstoffe sind mit Schweineviren kontaminiert, deren Bedeutung für Säuglinge ungeklärt ist.

Was können Sie tun?

Das Abwägen zwischen den Risiken einer Erkrankung und den nur mangelhaft erforschten Nebenwirkungen und Spätfolgen einer Impfung ist schwierig. Zwar übernimmt der Staat die Haftung für Impffolgen, aber nur bei offiziell anerkannten Impfschäden in unmittelbarem zeitlichem Zusammenhang (maximal 6 Wochen] mit der Impfung.
Hören Sie sich um, diskutieren Sie mit anderen Eltern, lesen Sie nach und kommen Sie so zu einer informierten Entscheidung. Die Verantwortung liegt - wie auch bei anderen Entscheidungen bezüglich der Gesundheit Ihres Kindes - bei Ihnen.
Ein wichtiger Aspekt bei der Entscheidung ist die gesellschaftliche Verantwortung. Viele Impfempfehlungen zielen nicht nur auf den Schutz des einzelnen Kindes, sondern auch auf den Schutz seiner Umgebung. Ansteckung soll verhindert, die Ausbreitung eines Erregers eingedämmt werden. Sie müssen sich auch mit dieser altruistischen Seite des Impfens auseinandersetzen.
Es gibt keine absolute Sicherheit für Ihr Kind. Vor dem Hintergrund nicht verlässlicher Informationen müssen Sie letztlich gefühlsmäßig entscheiden und auf die Richtigkeit dieser Entscheidung vertrauen. Lassen Sie sich dabei von Liebe und Vertrauen in den Lebensweg Ihres Kindes leiten.
Stärken Sie die Abwehrkräfte Ihres Kindes: Stillen Sie nach Möglichkeit 6 Monate voll und ernähren Sie es auch später möglichst gesund. Vermeiden Sie, dass in Ihrer Wohnung oder in Gegenwart Ihres Kindes geraucht wird, und wenn Sie selber Raucher sind, so hören Sie damit auf. Ermöglichen Sie Ihrem Kind stressfreies Spielen, Malen, Musizieren. Seien Sie kritisch gegenüber der Verordnung von Fieberzäpfchen, Antibiotika etc. Bei den meisten Krankheiten kann man einfach abwarten oder sich mit einfachen Hausmitteln behelfen.
Engagieren Sie sich für eine gesunde Umwelt. Die Beschäftigung und Auseinandersetzung mit beängstigenden Dingen ist notwendig, wenn wir unseren Kindern eine lebenswerte Welt erhalten wollen. Kaufen Sie umweltbewusst ein, vermeiden Sie Wohngifte in der Wohnung und lassen Sie so oft wie möglich Ihr Auto stehen.
Stellen Sie ein schwerkrankes Kind einer Kinderärztin oder einem Kinderarzt vor. Hohes Fieber verbunden mit Trinkverweigerung, Atemnot oder zunehmender Apathie sind Grund für eine Fahrt zum Arzt/zur Ärztin oder ins Krankenhaus.

Anhang

Verfügbare Impfstoffe
(aufgeführt sind jeweils die Impfstoffe mit dem geringsten Aluminiumgehalt)

Impfempfehlungen der STIKO Stand 2011

G Grundimmunisierung: alle Kinder und Jugendlichen, die bisher nicht geimpft wurden (beziehungsweise Komplettierung eines unvollständigen Impfschutzes)
A Auffrischungsimpfung
1) Abstände zwischen erster und zweiter sowie zweiter und dritter Impfung mindestens 4 Wochen; Abstand zwischen dritter und vierter Impfung mindestens 6 Monate
2) Die zweite Impfung kann bereits 4 Wochen nach der ersten Impfung erfolgen.
3) Ab dem Alter von 5 Jahren wird zur Auffrischungsimpfung ein Impfstoff mit reduziertem Diphtherietoxoid-Gehalt ("d") verwendet.
4) Bei Kombinationsimpfstoffen mit Keuchhustenkomponente Wiederholung im 5. Monat notwendig (in Österreich wird die 6-fach-lmpfung nur dreimal verabreicht: Im 3., 5. und 12. Lebensmonat)
5) Alle 12 bis 15-Jährigen, die bisher keine Windpocken durchgemacht haben
6) Alle 12 bis 17-jährigen Mädchen

Alternativen zu diesem Impfplan finden Sie unter www.individuelle-impfentscheidung.de --> Impfen --> Alternatives

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Quelle:
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Illustration: Julia Gandras. Berlin

Sonderdruck Hebammenforum
Oktober 2011