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Jedes Kind kann Schlafen lernen

Achtung Schlafen lernen

Nichts schlaucht so sehr wie die allabendlichen Kämpfe ums Einschlafen und das ständige Gewecktwerden in der Nacht. Am Anfang ist die Nachsicht meist noch groß. Doch je älter die Babys und je dunkler die Augenringe der Eltern werden, desto ögters taucht die Frage auf: Wie lange muss das eigentlich noch so weitergehen.
Ist das Kind ein halbes Jahr alt, pasier etwas Merkwürdiges: Haben Kinderärzte, Erziehungsratgeber und Eltern im Freundeskreis bisher überwiegen Durchhalteparolen ausgegeben, hören erschöpfte Mütter und Väter plötzlich, jetzt müsse sich aber was ändern.
Der "Trick", der dabei helfen soll, ist leicht zu beschreiben. Das Kind wird nach einem liebevollen Gutenachtritual müde, aber wach ins Bett gelegt, die Eltern verlassen den Raum. Fängt es an zu weinen, warten sie dennoch eine festgelegt Zeitspanne vor der Tür. Erst dann gehen sie zurück zu ihrem Kind und versuchen, es zu beruhigen, wozu sie es aber nicht aus dem Bett nehmen. Nach einer ebenfalls festgelegten Zeitspanne verlassen sie wiederrum das Zimmer, und das Warten beginnt von vorn, so lange, bis das Kind eingeschlafen ist. WIrd es in der Nacht wach, geht das Ganze von vorn los. Spätestens nach zwei WOchen schlafen die meisten Kinder dann allein ein und duch. Das "Schlaflernprogramm" war erfolgreich.
Die Frundidee diesr Methode entwickelte der Bostoner Kinderarzt und Schlafforscher Dr. Richard Ferber. Er hatte festgestellt, dass es Eltern gibt, die die Schlafgewohnheiten ihrer Kinder als Folter empfinden. Mit der schrecklichen Folge, dass sie Aggressionen gegen ihre eingen Kinderentwickeln, die bis zu Mordfantasien reichen. Für diese extremen Fälle, schlussfolgerte Ferber, muss es einen Ausweg eben, einen Plan, nach dem sich Eltern richten und mit dessen Hilfe Kinder schnell dazu gebracht werden können, so zu schlafen, dass es den Eltern besser geht.
Ferber entwickelte das erste Schlaflernprogramm auf der Basis "kontrollierten Schreienlassens", das heute als besonders harte Variante gilt, weil es die Wartezeit, bis die Eltern wieder zu ihrem schreienden Kind hinein dürfen auf bis zu 45 Minuten ausdehnt, Aber: Es funktionierte.
Ferber kam auf die Idee, dass seine Methode auch eine Hilfe sein könnte für Eltern, die ihr Kind nun nicht gerade aus dem Fenster schmeißen würden, aber doch gern mal wieder einen ruhigen Abend hätten. "Solve your child´s sleep problems" wurde in den USA ein Bestseller. Mit dem Buch "Jedes Kind kann schlafen lernen" von Annette Kast-Zahn und Hartmunt Morgenroth schwappte die Welle auch nach Deutschland.
"Einfach immer abwechselnd drei minuten weinen lassen und drei Minuten trösten" -auf diese Basics heruntergebrochen, weird das Programm im Babyschwimmen und in Krabbelgruppen von Mutter zu Mutter weitergegeben, zusammen mit der einenen Erfolgsgeschichte: "Bei uns war nach drei Tagen Ruhe."
Es funktioniert - aber um welchen Preis?
Das "Ferbern" ist bei uns mittlerweile so weit verbreitet, dass viele junge Eltern das Gefühl haben: Experten empfehlen es, Eltern empfehlen es und es funktioniert - da müssten wir ja bescheuert sein, es nicht auch durchzuziehen. Nur: Das kontrollierte Schreienlassen ist längst kein so unumstrittenes Erfolgsrezept, wie viele meinen. Hören wir uns die Argumente der Kritiker an.

  1. Normales Schlafeverhalten wird zur "Störung erklärt

  2. In "Jedes Kind kann schlafen lernen" erklärt Autorin Annette Kast-Zahn, wer sein Baby von Anfang an daran gewöhne, "richtig" zu schlafen, müsste später das anstrengende Schlaflernprogramm nicht anwenden. Das würde erst nötig, weil Eltern ihren Kindern "ungünstige Einschlafgewohnheiten" antrainiert hätten, sodass die Kinder ihre angeborene Fähigkeit, allein einschlafen zu können, verlernt hätten.
    Dieser Sicht können Evolutionsbiologen nicht folgen. Sie sind überzeugt, dass Kinder nicht auf selbstständiges Schlafen angelegt sind - ohne den Schutz von Erwachsenen einzuschlafen hätte vor wenigen Tausend Jahren noch den sicheren Tod bedeutet. Genauso wenig stimmt die in den einschlägigen Ratgebern verbreitet Theorie, Kinder müssten allein einschlafen lernen, um durchschlafen zu können. "Für diese These gibt es keinen wissenschaftlichen Beleg", sagt der renommierte Regensburger Schlafforscher Professor Jürgen Zulley. "Von der Aufregung des Tages herunterzukommen und sich in den Schlaf fallen zu lassen ist für Kidner ofr der schwerste Moment des Tages. Dabei brauchen sie Hilfe, Viele Kinder schaffen es, durchzuschlafen, nachmem sie diese Hilfe bekommen haben."
    Warum wird da das Gegenteil behauptet?
    Vielleicht, weil es Eltern das gute Gefühl vermittelt, ihr Kind habe durch das Schreienlassen etwas Unerlässliches "gelernt", was es nun nachts "anwenden" könnte. Die Wahrheit ist ernüchternd: Das Kind wurde darauf konditioniert, dass sein Schreien nicht gehört wird. Dass es irgendwann damit aufhört, bedeutet: Es hat resigniert.

  3. Die Methode bedeutet großen Scherz für die Kinder

  4. Alle Schlafratgeber.Autoren legen großen Wert darauf, dass sie nicht dazu reten, das Kind "einfach schreien zu lassen". Der dorierte Trost in festen Abständen mache die Sache vertretbar, da sich so keine übermäßigen Verlassenängste einstellen können. Zwar wissen Babys durchschnittlich mit sechs Monaten, dass Mama, auch wenn man sie nicht sieht, nicht wie vom Erdboden verschluckt ist.
    Viele andere Experten sind jedoch sicher, dass das Weinen und Schreien der Kinder trotzdem Ausdruck großer Angst ist. Gerade weil Eltern heute mit ihren Kindern tagsüber so liebevoll und zugewandt umgehen, ist es für die Kleinen ein unverständlicher Schock, wenn abends ihr Weinen plötzlich ignoriert wird.
    Ob die Wiederkehr im Minutenabstand einen Trost darstellt, darf ebenfalls bezweifelt werden. Schließlich weist der Schweizer Kinderarzt Remo Largo darauf hin, dass Kinder bis ins dritte Lebensjahr hinein kein Empfinden für Zeitdauer haben. Wer allein weint, tut das schon seit einer gefühlten Ewigkeit.

  5. Die Methode verletzt die Würde des Kindes

  6. Nicht alle in der Familie haben die gleichen Rechte, aber alle haben das gleiche Recht auf Würde - für den dänischen Familientherapeuten Jesper Juul ist dies das wichtigste Prinzip einer gelingenden Familie. Genau diese "Gleichwürdigkeit" sieht Juul beim "kontrollierten Schreienlassen" verletzt: "Die Methode lässt die Beziehung zwischen Eltern und Kind außer Acht. Es handelt sich mehr um Dressur. Dressur funktioniert tatsächlich bei Kindern, wenn Eltern konsequent, zielgerichtet und beharrlich sind - aber sie hat nichts mit Erziehung zu tun."
    Auch die bekannten Kinderärzte und Ratgeberauroren Dr. William Sears und Dr. Carlos Gonzales sehen in Schlaflernprogrammen ethische Grundprinzipien verletzt: Würde ein Erwachsener um Hilfe rufen, fänden wir es schließlich auch unmenschlich, ihn zu ignorieren. Gonzales Begründung, warum er Schlaflernprogramme ablehnt, lautet deshalb kurz und knapp: "Es gibt Dinge, die macht man einfach nicht."

  7. Schlaflernprogramme sind schädlich für die Entwicklung

  8. Mithilfe der modernen Hirnforschung ist es in den letzten Jahren mölgich geworden, nachzuweisen, was beim "kontrollierten Schreienlassen" passiert: In dem Moment, in dem ein Kind realisiert, dass es verlassen ist, wird die Amygdala der "Gefahrendetektor" im Gerhin, aktiv: Das Kind beginnt zu weinen. Wird es nun prompt und kontinuierlich getröstet und beruhigt, sinkt der Pegel des Stresshormons Cortisol schnell auf Normalmaß. Das Herz schlägt wieder normal, die Atmung wird ruhig, der Körper ist in Balance. Verantwortlich dafür ist der sogenannte Vagusnerv im Gehirnstamm - er ist für die Fähigkeit zur Selbstregulation zuständig. Ein Baby ist noch nicht in der Lage , sich selbst zu beruhigen, es kann diese Fähigkeit nur auf einem Weg entwickeln: indem es immer wieder beruhigt und getröstet wird. So "lernt" der Vagusnerv, wie das geht: rauskommen aus der Panik und allmählich wieder ruhig werden.
    Wird ein weinendes Kind hingegen weitgehend sich selbst überlassen, wächst die Fähigkeit zur Selbstregulation nicht. Dafür schnellt der Cortisolspiegel so in die Höhe, dass das Gehirn von einer Stresshormonwelle überrollt wird. Das Stressreakionssystem entwickelt eine chronische Überempfindlichkeit. "Für das Kind ist das ein wenig, als ob es eine fehlerhafte Alarmanlage im Kopf hätte, die bei der kleinsten Kleinigkeit losgeht", erklärt Margot Sunderland, Direktorin der Abteilung Erziehung und Ausbildung am angesehen Centre of Child Mental Health in Lonnden. Wie sich ein Schlaflernprogramm konkret auf die Hirnchemie eines einzelnen Kindes auswirkt, vermag natürlich auch sie nicht zu sagen. So verschlimmere sich die Wirkung des "kontrollierten Schreienlassens", wenn Kinder auch tagsüber immer wieder schmerzhafte Trennungserlebnisse hätten, umgekehrt könne sehr viel Nähe und Zuwendung manche Verletzung ausgleichen.
    Doch generell, so Sunderland, lassen die Ergebnisse einer Vielzahl internationaler Studien aus der Hirnforschung nur einen Schluss zu: "Ein Kind schreien zu lassen, bis es einschläft, setzt es dem Risiko nachteiliger Veränderungen seiner unreifen Gehirnsysteme aus." Ausgeprägte Ängste vor Trennungen und Alleinseins auch noch im Erwachsenenalter, Panikattacken und eine erhähte Wahrscheinlichkeit für Suchterkrankungen können die Folgen sein.
    All das bedeutet nicht, dass Eltern an einer für die belastenden Schlafsituation nicht ändern sollten. Im Gegenteil: FÜr Kinder ist es ausgesprochen wichtig, dass Eltern ihre eingen Bedürfnisse nicht dauerhaft zurückstellen, sondern an einer gesunden Balance arbeiten. Aber die kritische Auseinandersetzung mit Schlaflernprogrammen, die auf der Ferber-Methode basieren, zeigt auch: "Kontrolliertes Schreienlassen" sollte das Notfallinstrument bleiben, als das es ursprünglich entwickelt wurde.
    Zumal es deutlich sanftere Wege gibt, den Schlaf für Eltern und Kinder zu verbessern: Die bewusste Entscheidung für gemeinsame Schlafen im Familienbett kann ebenso eine Läsung sein wie schleichende Schritt-für-Schritt Entwöhnung von lieb gewonnenen Einschlafsituationen, wie sie etwa Elizabeth Pantley in "Schlafen statt Schreien. Das liebevolle Einschlafbuch" (Trias, 17,95 Euro) vorstellt.
    Doch auch jenseits dieser super-soften Varianten gibt es Alternativen zum "Ferbern": das nächtliche Abstillen nach Dr. Gordon etwa, bei dem die Brustmahlzeiten in einem bestimmten Zeitfenster verweigert werden, das Kind jedoch beständigen Trost erhält. Oder das einfachste Schlaftraining überhupt: Du bleibst in deinem Gitterbett, aber ich bleibe daneben, streichle dich und tröste dich und spreche mit dir und lasse dich nicht allein, bis du eingeschlafen bist. Ganz klar: Für ein Baby, das bisher nur auf dem Arm oder an der Brust eingeschlfen ist, ist auch das ein harter Einschnitt. Es schreit nicht nur aus Protest, sondern durchaus aus Verzweiflung. Aber: Durch Mamas oder Papas Begleitung kann es diesen Schmerz bewältigen.
    Das Grundprinzip guter Schlaferziehung lässt sich so auf einen ganz einfachen Nenner bringen: Es geht nicht immer ohne Tränen - aber ein weinendes Kind sollte nicht allein sein.

Quelle: ELTERN Spezial

Zur Methode nach Ferber

Was den besten Weg in den Schlaf anget, so gibt es im Grunde zwei Denkschulen: Entweder können Eltern versuchen, ihr Baby mit denjenigen Bedingungen zu versorgen, die es von Natur aus "erwartet", insbesondere unmittelbar Nähe. Oder aber Eltern entziehen dem Kind ihre Anwesenheit und bemühen sich, die dann häufig folgende Protestreaktioin "auszusitzen". Alle anderen Wege in den Schlaf liegen irgendwo dazwischen und sind Versuche, dem Kind ein gewisses Maß an Nähe zu geben, ohne das volle "Entzugsprogramm" abzufahren.
Der Prototyp des kontrollierten "Entzugs" ist die von dem amerikanischen Schlafforscher Ferber popularisierte und seither nach ihm benannten Ferber-Methode. Sie setzt auf einen eskalierenden Abbau der elterlichen "Brücke" in den Schlaf: Die Eltern solen das Kind ins eigene Zimmer legen und sich dann für genau vorgegebene Zeitintervalle aus dem Zimmer entfernen. Die Zeiten der Abwesenheit werden nach und nach gesteigert - auch dann, wenn das Kind weint oder nach den Eltern ruft. Die Merhode wird in weiten Kreisen der USA als normaler Teil der Kindererziehung angesehen, und das "kontrollierte Schreienlassen" ist auch in Europa in vielen Varianten populär geworden.
Aus evolutionsbiologischer Sicht ist zu den Entzugsmehthoden Folgendes anzumerken:
Dass Eltern ihre Kindern Schweiß und Tränen zumuten, wenn Gefahr droht, oder sie es einfach nicht mehr "packen", ist eil des evolutionären Pakets. Wenn Eltern also ihre Kinder "ferbern", weil sie schlicht am Ende ihre Kräfte sind und andere Methoden nicht richtig funkrionieren, dann kann das eine Notlösung sein - ein schlafendes Kind kann nun einmal für die Eltern den Unterschied zwischen Himmel und Hölle, ja sogar zwischen Gesundheit und Krankheit bedeuten.
Allerdings sollten sich Eltern gerade bei dieser Methode bewusst sein, dass sie ihren Kindern recht große, angstbesetzte Lernschnritte abverlangen. Mit Tränen und Verzweiflung ist zu rechnen. Wie schwer diese emotionalen Nebenwirkungen langfristig wiegen, kann niemand genau sagen und dürfte stark von der Persönlichkeit des Kindes und der Art der sonstigen Eltern-Kind-Beziehung abhängen. Dass die Methode "gut funktioniert", ist für sich allein kein überzeugendes Argument: Wenn man nur konsequent genug ist, kann man selbst einen Löwen zum Vegetarier machen. Eltern kann deshalb nur geraten werden, das Programm trotz allem Druck im Kessel nicht absolut zu sethen und ein Gespür dafür zu entwickeln, wann die Reaktionen ihres Kindes das Maß zum Zumutbaren überschreitet. Es ist sonst zu befürchten, dass die nicht schlafenden Kinder zu "verzweifelt schlafenden Kindern" werden.
Dedacht werden sollte aber auf jeden Fall: Die Ferbersche Methode und Stillen vertragen sich nicht. Die Methode des kontrollierten Schreienlassens wurde im Amerika der 1980er Jahre entwickelt, zu einer Zeit, als in dem fraglichen Alter (Ferber empfiehlt seine Methode ab sechs Monaten) praktisch kein Kind mehr gestillt wurde. Die meisten gestillten Kinder sind gewohnt, die für den Schlaf nötige Entspannung an der Brust zu finden. Zudem trösten sie sich in beängstigenden Situationen vorzugsweise an der Brust. Die Ferberische Einschlafmethode trifft das Stillkind somit mit drei Schlägen: Zum Einen wird ihm sein gewohnter Weg zur Entspannung entzogen, zum Zweiten sein gewohnter Weg zum Trost, und zum Dritten fehlt ihm die elterliche Präsenz, die es bei dieser Verunsicherung zu Recht erwartet - und in anderen Situationen auch fraglos bekommt. Bei gestillten Kindern sollte deshlab die Ferberische Merhode nicht zum Einsatz kommen - oder allenfalls dann, wenn das Baby noch und nach daran gewöhnt wurde, ohne den Busen (etwa mit einem Kuscheltuch) einzuschlafen.

Quelle:Wie Kinder schlafen lernen