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Schreien

Born to cry?

Versetzen wir uns einmal in die Lage des Säuglings. Im Grunde ist er mit einem Querschnittsgelähmten vergleichbar. Er kann weder nach der Brust greifen, wenn er Durst hat, noch kann er unter die warme Decke kriechen, wenn ihm klat ist. Und einem Erwachsenen auf die Schulter tippen und ihn darauf aufmerksam machen, dass die Windel da unten klemmt, kann er schon gar nicht. Er muss also andere dazu motivieren, sich um sein Anliegen zu kümmern. Dazuhat er ein ganzes Arsenal von Mitteln zur Hand: seine unbeschreibliche Süße, die zumindest den mit einem verliebten Herz ausgestatteten Teil seiner Mitwelt dazu bringt, ihm jeden Wunsch von den Lippen abzulesen - ein leichtes Räkeln oder ein schief gezogender Mund reichen da schon aus. Hilft das nichts, so folgt ein Gähnen, dann noch eines, ein längeres Strecken, dann ein Knarzen, und wieder ein Strecken, das Hin-und-her-Drehen des Kopfes, ein Verziehen des Gesichtes, gefolgt von Schmatzen, Saugbewegungen, die immer gieriger werden, immer zielstrebiger, und dann, ja dann zieht der kleine Mensch sein größtes Kaliber: Er fängt an zu schreien. Glaubt manden unbestechlichen Linsen der über dem Bettchen angebrachten Videokamera, so kündigt das Baby seine Bedürfnisse im Durchschnitt sage und schreibe 31 Minuten lang vornehm an, bevor es richtig losbrüllt!
Das Baby scheint also recht lange anzunehmen, dass da jemand in der Nähe sein muss, der es sieht oder der seine dezenten akustischen Andeutungen wahrnimmt. Bestätigt sich die Vermutung nicht, greift es zur Hupe.
Und die wirkt. Schon kurz nach der Geburt können Mütter die Schreie ihres eigenes Kindes von denen anderer Neugeborener unterscheiden. Und das selbst im Schlaf! Wenn ein fremdes Baby weint, so schläft eine Mutter weiter, beim eigenen Kind aber wacht sie prompt auf. Die Antenne der Mutter scheint also auf die Sendefrequenz ihres Babys eingestellt.

Warum immer gleich so laut

Dass Babys sofort losschreien, wenn sie ihren Eltern etwas zu "sagen" haben, ist also eine bösartige Unterstellung - sieht man von Schmerzschreien ab, so ist Schreien ein Spätsignal. Dem Klischee entsprechen Babys schon eher in einer anderen Eigenschaft: Wenn sie schreien, dann gleich richtig. Messungen zeigen, dass Babys es schnell auf eine Schallstärke von 82 Dezibel bringen - knapp unter dem Schalldruck eines Presslufthammers, also ein klarer Hinweis darauf, dass sein Schreien ursprünglich nicht für Zweizimmer-Wohnungen "entwickelt" wurde... Und wie beim Presslufthammer scheint piano nicht zum Repertoire des Babys zu gehören.
Aber warum muss es immer gleich das volle Programm sein? Vielleicht ist das der Grund: Wenn das kleine Geschöpf einmal zu dem Schluss gekommen ist, dass Mama wohl gerade nicht in der Nähe ist, dann heißt das für das Baby: Alarm! Jetz muss das Signal wirklich ankommen und bis an die Grenzen des Reichs zu hören sein.

Quelle:Zitiat aus Buch „Kinder verstehen“ von Dr. Herbert Renz-Polster